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Autoren zu Amazon: Bücher nicht als Geiseln nehmen

Während der Verhandlungen über Preise für E-Books hatte Amazon einige gedruckte Titel von Hachette gar nicht oder nur mit langen Lieferzeiten angeboten. Das kritisieren 909 Autoren in einem offenen Brief. Amazon hat bereits geantwortet.

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In den Streit zwischen Amazon und den Verlegern über die Preise für E-Books haben sich nun auch Autoren eingemischt. In einem offenen Brief kritisieren sie die Verhandlungstaktik des Online-Einzelhändlers insbesondere gegenüber dem Verlag Hachette. Weder dem Leser noch dem Autor würde es etwas nützen, wenn Bücher als Geiseln genommen werden. Damit richten sich die Autoren dagegen, dass Amazon während der Verhandlungen über einen neuen E-Book-Deal gedruckte Hachette-Titel nur mit langen Lieferzeiten oder gar nicht angeboten hat.

909 Autoren kritisieren Amazons Haltung gegenüber Hachette

(Bild: dpa, Uwe Zucchi/Archiv)

Unterzeichnet haben den vom Bestseller-Schriftsteller Douglas Preston geschriebenen offenen Brief unter dem Motto "Authors United" 909 Autoren, darunter John Grisham und Stephen King. Der Brief ist am Sonntag in einer ganzseitigen Anzeige in der The New York Times erschienen. Viele der Autoren hätten Amazon als strauchelndes Startup und auch später ohne Eigennutz unterstützt. Inzwischen sei daraus ein multimillionenschweres Unternehmen geworden. Amazon solle sich mit Hachette einigen, ohne Autoren und Lesern zu schaden.

Amazon ließ mit einer Antwort nicht lange auf sich warten. Unter dem Motto "Readers United" bemüht das Unternehmen erneut das Argument, dass sich mit günstigeren E-Book-Preisen mehr Bücher verkaufen ließen und mehr umgesetzt werden könne. Erneut macht das Unternehmen die Rechnung auf, dass von einem E-Book für knapp 10 Dollar 1,74-mal mehr Exemplare verkauft würden, als wenn es knapp 15 Dollar kostet. Auch verteidigte es sein Vorgehen gegenüber Hachette, da der Verlag in den Verhandlungen drei Monate gemauert und sich erst bewegt habe, als Amazon die Zahl der Hachette-Titel in seinem Angebot reduzierte.

Die "vereinigten Leser" sehen den offenen Brief der "vereinigten Autoren" in einer historischen Linie mit George Orwell, der sich 1936 gegen das damals neu vom Penguin-Verlag auf den Markt gebrachte Taschenbuch ausgesprochen habe. Das Taschenbuch habe aber nicht wie seinerzeit befürchtet die literarische Kultur zerstört und der Branche geschadet – im Gegenteil.

Die New York Times meint, mit Orwell habe sich Amazon den falschen Kronzeugen ausgesucht. Zum einen stehe der Name für eine der größten PR-Pannen des Unternehmen, als es vor fünf Jahren den Orwell-Roman "1984" von den Kindl-Readern der Kunden löschte. Zudem habe Amazon Orwell falsch zitiert: Der Schriftsteller habe sich nicht – wie von Amazon behauptet – generell gegen Taschenbücher ausgesprochen, sondern diese vielmehr als derart günstig bezeichnet, dass sich die anderen Verlage gegen Penguin verbünden müssten. (anw)