Axel-Springer-Chef: Tablets und Smartphones sind die Zeitungen der Zukunft

Mathias Döpfner erteilte der "Kostenlos-Kultur" im Netz erneut eine Absage, gleichzeitig will er die Werbeerlöse durch die digitalen Vertriebswege wesentlich steigern. Für Springer-Produkte auf dem iPad zog er auf der Fachmesse dmexco eine positive Zwischenbilanz.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 170 Beiträge
Von

Mathias Döpfner, Chef der Axel Springer AG hat am zweiten Tag der Online-Marketing-Fachmesse dmexco erneut sein Loblied auf das iPad gesungen, mit dem er schon zum Start des Apple-Produkts für Aufsehen gesorgt hatte. Seine demonstrative Begeisterung sei zwar zum Teil ironisch gewesen, sagte der Springer-Chef, aber nun zog er eine positive Zwischenbilanz: Die "Welt"-HD-App sei auf mehr als jedem zweiten deutschen iPad installiert. Die Anzahl der Bezahl-Abos für Inhalte sei "über den Erwartungen" – genaue Zahlen nannte er aber nicht. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Verlage den Druck ihrer Produkte einstellen: "Schon in fünf Jahren könnte E-Paper billiger sein als der Druck einer einzigen Zeitungsausgabe." Heute koste der Chip zur Ansteuerung der E-Paper-Displays nur zwei Cent. Mit weiteren Kostensenkungen könnte E-Paper gar zum Wegwerfartikel werden.

"Tablets und Smartphones sind die Zeitungen und Zeitschriften der Zukunft", sagte Döpfner. Einen Vorgeschmack auf die neue Medienwelt böten die Apps, die der Axel Springer Verlag bereits im Programm hat. Sie öffneten neue Wege zum Leser: "Die Reichweite der Printprodukte ist in etwa stabil, während die Reichweite der digitalen Angebote radikal wächst", erklärte Döpfner. Konnten die Verlage ihre Leser mit Printprodukten lediglich einmal am Tag erreichen, begleiteten die Digitalprodukte die Menschen heute in jeder Lebenssituation. Diese höheren Reichweiten seien die ideale Voraussetzung, um das Werbegeschäft auszubauen. Mit massiven Zukäufen hat sich das Medienhaus bereits eine führende Stellung im Werbemarkt verschafft. So habe es die Erlöse von Display-Anzeigen im vergangenen Jahr um 40 Prozent gesteigert.

Wie auch kürzlich in einem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung ging der Verlagsmanager scharf mit der "Kostenlos-Kultur" im Internet ins Gericht. Die Verlage hätten den Fehler gemacht, alles kostenlos anzubieten. Jedoch seien die Medienhäuser auf die Existenz der Geldströme von Werbekunden und von Lesern angewiesen. Nur wenn das wirtschaftliche Fundament der Medienhäuser langfristig intakt bleibe, werde es langfristig wirkliche Freiheit der Information, also: Meinungsfreiheit und Gedankenfreiheit, geben. Der von Nutzern generierte Content sei zwar eine gute Ergänzung zu den professionell erstellten Inhalten, könne sie aber nicht ersetzen.

Besonders das mobile Netz ermögliche einen Strategiewechsel, da die Kunden hier ohnehin zu bezahlen gewohnt seien. Auch eröffneten die geschlossenen Welten der Mobil-Applikationen einen weiteren Vorteil: statt nur fragmentierte Informationen zu bieten, flössen in den Apps der Verlage viele Informationen in einer Plattform zusammen. "Wenn sie alle einen anderen Blog gelesen haben, werden Sie nichts mehr haben, worüber sie sich unterhalten können", sagte Döpfner. (anw)