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Axel Springer führt kostenpflichtiges Abo für abendblatt.de ein

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Lokal- und Regionalberichte sowie Archiv-Material kosten im Internet bei abendblatt.de künftig Geld. Seit dem heutigen Dienstag stellt der Verlag Axel Springer beim Zugriff auf einen Teil des Internetangebots, das zum Hamburger Abendblatt gehört, eine monatliche Abonnement-Gebühr von 7,95 Euro über den Bezahldienstleister ClickandBuy in Rechnung. Wer die Tageszeitung bereits im Abo bezieht, muss nichts extra bezahlen. Die Gebühr für ein 30-Tage-Abo wird für Neunutzer im Internet fällig.

"Es ist aussichtslos, spotten Experten. Es ist selbstmörderisch, argwöhnt die Konkurrenz. Es ist unverschämt, denken die Nutzer. Und doch werden wir es tun", schreibt der stellvertretende Chefredakteur Matthias Iken im Blatt und Internet. "Wir wagen, Werthaltiges im Netz künftig nicht mehr zu verschenken, sondern zu verkaufen." Es sei eine jahrtausendealte Grundkonstante jedes wirtschaftlichen Handels. Dass sie überhaupt erklärt werden müsse, zeigt nach Ikens Auffassung, "wie kollektiv die Sicherungen in der vermeintlichen New Economy herausgeflogen sind".

Die im Internet vorherrschende "Freibiermentalität" schade nicht nur den Anbietern, sondern der gesamten Webwirtschaft, meint Iken. "Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus." Medien seien zudem mehr als bloße Abspielstationen von vielfältigen Inhalten, sondern auch Mittler von Informationen zwischen Menschen. Letztlich gehe es um den Erhalt der vierten Gewalt im Staat. Auch seien Medien gerade im Lokalen wichtiger denn je.

Iken bezeichnete es als "Webfehler im Netz", dass verpasst worden sei, dort auch Geld zu verdienen. Er folgt damit der Linie seines Verlages, der schon seit einiger Zeit über Verdienstmöglichkeiten im Internet nachdenkt. Seit voriger Woche können iPhone-Besitzer die Printausgaben von Bild und Welt kompakt am Vorabend des Erscheinens im PDF-Format auf ihrem Smartphone lesen. Axel-Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner bezeichnete es im August als "heilige Verantwortung" der Verleger, alles zu versuchen, um eine Wirtschaftsgrundlage für die digitale Welt zu schaffen. (anw)

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