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BAPCo-Konsortium: Neue Benchmark-Version und AMD-Austritt

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Die Firma AMD hat das Industriekonsortium BAPCo verlassen, das mehrere bislang anerkannte Benchmarks für Windows-PCs herausgibt, darunter den BAPCo SYSmark 2007 Preview. Noch nicht verfügbar ist hingegen der neue SYSmark 2012. In einem Blog-Beitrag legt AMD-Marketingchef Nigel Dessau die Gründe dar, die sein Unternehmen zur Abkehr vom SYSmark bewegten: Unter anderem würden einzelne Benchmark-Disziplinen unsinnig gewichtet und Grafikprozessoren vernachlässigt.

Die BAPCo-Webseite nennt zurzeit als Mitglieder nur noch die Firmen ARCIntuition, Dell, Hewlett-Packard (HP), Hitachi, Intel, Lenovo, Microsoft, Samsung, Seagate, Sony, Toshiba "und andere". Bis vor kurzem waren zusätzlich noch AMD und VIA Technologies genannt worden, Nvidia erschien dort zuletzt im Jahr 2009.

Schon vor neun Jahren hatte es Streit um den SYSmark 2002 gegeben: AMD kritisierte, dieser bevorzuge unfairerweise den damals neuen Pentium 4. Später legte man den Streit aber bei, AMD trat ins BAPCo-Konsortium ein und empfahl den SYSmark 2007 Preview sogar ausdrücklich selbst als Performance-Kriterium zur Beschaffung von Bürocomputern (PDF-Leitfaden).

Die Webseite SemiAccurate.com berichtet, hinter den Kulissen sein im BAPCo-Konsortium schon seit einiger Zeit gestritten worden – unter anderem werde Intel vorgeworfen, die Zusammenstellung des SYSmark einseitig zu beeinflussen.

Der SYSmark 2007 startet 14 angeblich häufig genutzte, aber aus heutiger Sicht veraltete Windows-Anwendungen für Bürocomputer – etwa Word oder Excel 2003 –, aber etwa auch welche zur Bearbeitung von Fotos, Videos oder 3D-Welten sowie ein Datei-Packprogramm. Diese Applikationen laufen teilweise parallel und das Skript wechselt zwischen bestimmten Aufgaben, was Rückschlüsse auf die Reaktionsgeschwindigkeit des Systems bei typischer Nutzung liefern soll. Der Benchmark ermittelt einzelne Punktzahlen für die vier Anwendungskategorien E-Learning, Video Creation, Office Productivity, 3D Modeling, die jeweils zu einem Viertel in das Gesamtergebnis eingehen. Keine einzelne Anwendung trägt mehr als 13 Prozent zur gesamten Punktzahl bei, aber manche auch nur 1 Prozent.

Der nur noch unter den x64-Versionen von Windows Vista und 7 laufende BAPCo SYSmark 2012 führt angeblich 390 Einzelmessungen durch mit Abbyy FineReader pro 10.0, Adobe Acrobat Pro 9, After Effects CS5, Dreamweaver CS5, Photoshop CS5 Extended, Premiere Pro CS5, Flash Player 10.1, AutoDesk 3DS Max 2011, AutoCAD 2011, Google Sketchup Pro 8, Microsoft Internet Explorer 8, Microsoft Office 2010, Mozilla Firefox Installer, Mozilla Firefox 3.6.8 und Winzip Pro 14.5. Laut Nigel Dessau von AMD dominieren aber letztlich nur sieben Programme und 10 Prozent der Messungen die Gesamtpunktzahl. Ein relativ hoher Anteil der Punkte entfiele auf Schrifterkennung (OCR) oder Dateikompression – "Dinge, die der durchschnittliche Anwender selten oder nie" nutze. Außerdem gebe es heute Software wie Internet Explorer 9, Office 11, Movie Maker oder den Flash-Player, die standardmäßig GPU-Beschleunigung verwenden – und "die meisten von uns" nutzten Programme, die auf JavaScript und HTML5 angewiesen seien. Offenbar findet also AMD, dass der CPU-lastige SYSmark 2012 die Fähigkeiten der eigenen Accelerated Processing Units (APUs), die stärker auf GPU-Performance setzen, zu wenig berücksichtigt.

Laut Nigel Dessau arbeitet AMD an faireren und offenen Methoden zur Performance-Beurteilung von PCs; konkrete Hinweise darauf gibt er aber nicht. Mit einer eigenen Benchmark-Suite zur Ermittlung eines QuantiSpeed- beziehungsweise "P-Ratings" konnte sich AMD schon 2001 nicht durchsetzen. (ciw)