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BDI-Präsident: Deutscher Weltraumhafen "kein Witz", sondern Schlüsseltechnologie

Satellitentechnik bietet viel Potenzial, das Deutschland nutzen muss, findet Dieter Kempf. Es sollen aber keine Arianeraketen von der Friedrichstraße starten.

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Bislang starten Europas Raketen vor allem vom Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) – die Friedrichstraße in Berlin schließt der BDI aus.

(Bild: ESA – Stephane Corvaja)

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Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte kürzlich gefordert, dass Deutschland einen eigenen, privat betriebenen Weltraumhafen sowie eine staatlich geförderte eigene Trägerrakete für kleine Nutzlasten bekommen müsse. Nun hat BDI-Präsident Dieter Kempf diese Forderung gegen Kritik verteidigt und näher erläutert, warum er das Vorhaben für Deutschlands Industrie für bedeutsam hält. Manche hätten den Vorstoß zwar eher belächelt, sagte Kempf dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Sache sei aber kein Witz, vielmehr seien Satelliten- und Weltraumtechnik eine Schlüsseltechnologie für die gesamte Industrie.

Man beginne gerade erst, die Potenziale dieser Techniken zu erahnen, sagte Kempf. Satelliten könnten künftig etwa beim autonomen Fahren, bei der Mobilfunkversorgung oder der Waldbrandbekämpfung eine entscheidende Rolle spielen. So könne man etwa Waldbrände mit Flugzeugen suchen – oder einen Satelliten ins All schießen. Man könne das Land mit Funkmasten zupflastern oder auf ein Satellitennetz setzen. Beim autonomen Fahren schließlich sei man zwingend auf Positionsdaten aus dem All angewiesen.

"Ich will, dass Deutschland bei dieser Technologie weiter ganz vorne mitmischt", sagte Kempf. Der BDI-Präsident betonte, es gehe ihm beim Weltraumhafen nicht um eine Startrampe für Mondraketen, sondern vielmehr um sogenannte Micro-Launcher, die kleine Satelliten 'just in time' ins All befördern könnten. "Wir wollen keine Ariane-Raketen von der Berliner Friedrichstraße aus starten." Ein kleiner Weltraumhafen sei für Deutschland wirtschaftlich sinnvoll. "Den werden wir brauchen, da bin ich sicher."

Aus Anlass des ersten eigenen Weltraumkongresses hatte der BDI Mitte Oktober dieses Jahres mehr Geld vom Staat für die Raumfahrt in Deutschland gefordert. Eine "Berliner Erklärung" stellte acht "Handlungsempfehlungen" vor, darunter den Weltraumhafen, eine internationale Regelung des Weltraumbergbaus sowie den Vorschlag, eine deutsche Astronautin an den NASA-Flügen zum Mond teilnehmen zu lassen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte den BDI-Vorschlag eines Weltraumhafens wohlwollend aufgenommen und will ihn "gerne prüfen". Kritik kam hingegen vom ehemaligen Astronauten Thomas Reiter, der das Vorhaben wenig sinnvoll findet und andere Standorte für geeigneter hält. Das Wirtschaftsministerium will Anfang nächsten Jahres Eckpunkte für ein Weltraumgesetz vorlegen, über das entsprechende Investitionen und Innovationen am Standort Deutschland gefördert werden sollen. (tiw)