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BIOS-Option macht ThinkPads zu Briefbeschwerern

Ein einziger Klick im BIOS-Setup - und einige aktuelle Lenovo-Notebooks starten nicht mehr; eine Lösung des Problems fehlt noch.

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UEFI-Option macht manche Thinkpads zu Briefbeschwerern

Das Thinkpad X1 Yoga 2018 ist eines der betroffenen Notebooks.

(Bild: Lenovo)

Wenn man im BIOS-Setup mancher Lenovo-ThinkPad-Notebooks die Optionen für die Verwaltung von Thunderbolt-Anschlüssen verändert, kann das dazu führen, dass die Geräte nicht mehr booten. Schon beim Neustart nach dem Speichern der Einstellung gibt es nur noch einen schwarzen Bildschirm, unabhängig vom installierten Betriebssystem.

Die betreffenden Einstellungen heißen je nach Notebook-Modell "Thunderbolt BIOS Assist" oder "BIOS Support for Thunderbolt". Sie dienen den Geräte-Handbüchern zufolge dazu, dass die Firmware die Schnittstelle aktiviert – und nicht etwa erst das Betriebssystem. Es gibt also beispielsweise bei ThinkPads mit aktuellem Windows 10 keine Notwendigkeit, die Option einzuschalten, weil dieses Betriebssystem die Schnittstelle selbst steuert.

Das Problem ist in zwei Threads im Supportforum von Lenovo beschrieben. Auch auf Reddit berichten mehrere betroffene Nutzer von dem Problem. Die ersten Einträge stammen vom Juni 2018, zu diesem Zeitpunkt bestätigte ein Mitarbeiter des Herstellers auch den Fehler.

Seitdem gibt es keine weiteren Postings, in denen Lenovo eine Lösung angekündigt hätte. Über das Phänomen berichtete kürzlich auch Notebookcheck.

Den Foreneinträgen zufolge sind die Modelle ThinkPad P1, ThinkPad P72, ThinkPad P52, ThinkPad P52s und ThinkPad X1 Yoga 2018 betroffen. Bis auf das Yoga-Convertible handelt es sich um die besonders teuren Geräte aus der P-Serie, also um mobile Workstations unter anderem mit Quadro-GPUs.

Lenovo ThinkPad P1

Für alle genannten Modelle, die erst 2018 auf den Markt kamen, gibt es nur eine Handvoll Einträge von Nutzern, die sich als betroffen bezeichnen. Ein Nutzer beschreibt auch, dass allein durch das Abschalten des Thunderbolt-Ports im BIOS-Setup sein Notebook "bricked" sei, also nicht mehr startet.

Nachdem es von Lenovo keine Hilfe zur Selbsthilfe gibt, haben sich einige Anwender ans Basteln gewagt. Das Entfernen der Pufferbatterie für die BIOS-Setup-Einstellungen half jedoch nicht weiter.

Bisher ist davon auszugehen, dass nur der Hersteller den Fehler reparieren kann. Bei ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit haben Notebook-Hersteller die Speicherbausteine oder gleich das ganze Mainboard getauscht. Betroffene Kunden sollten sich also an ihren Händler oder Lenovos Support wenden. Und bisher nicht betroffene Besitzer der anfälligen Lenovo-ThinkPads sollten die Thunderbolt-Einstellungen im BIOS-Setup tunlichst nicht verändern.

Update 29.10. 2018, 8:15 Uhr:
Einer unserer Leser hat im Forum zu dieser Meldung eine Reparaturanleitung verlinkt. Der IT-Doktorand Nadim Kobeissi hat demnach sein Thinkpad P1 eigenhändig durch Flashen von zwei EEPROMs wieder in Betrieb gesetzt. Das Gerät besitzt sowohl einen Speicherbaustein für das Haupt-BIOS sowie einen für die Firmware des Thunderbolt-Controllers. Erst das Flashen dieses zweiten Bausteins erweckte das Notebook wieder ganz zum Leben - offenbar geht beim Umstellen der Option im BIOS beim Speichern in das zweite EEPROM etwas schief.

Nötig war für den Eingriff aber ein Raspberry Pi mit spezieller Software, die über die GPIO-Pins des Bastelrechners diesen zu einem Flash-Programmer macht. Die relevanten Pins an den EEPROMs werden dann direkt am Thinkpad angezapft, da die Bausteine fest verlötet sind. Die nötigen BIOS-Images müssen zudem über ein weiteres Programm aus den von Lenovo verfügbaren BIOS-Updates extrahiert und manuell angepasst werden.

Obwohl das Procedere für geübte Hardware-Bastler nicht besonders schwierig erscheint, dürfte bei solchem Vorgehen ein Garantieverlust drohen. Betroffene Nutzer sollten sich also dennoch zuerst an den Verkäufer des Geräts oder Lenovo direkt wenden. (nie)

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