BKA-Studie: Hacktivisten sind Mittelschicht, männlich und kriminell

Während Anonymous mit seiner #OpIsis von sich reden macht, hat das BKA die ersten Ergebnisse seiner Beschäftigung mit dem politisch motivierten Hacktivismus veröffentlicht. Auch Kim Dotcom zählt die Behörde zu den "Hacktivisten".

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Acta

(Bild: dpa, Julien Warnand)

Von
  • Detlef Borchers

Hacktivisten sind überwiegend männlich, zwischen 16 und 30 Jahre alt und entstammen der Mittelschicht. So zumindest sieht sie das Bundeskriminalamt, das am Dienstag den Abschlussbericht einer Untersuchung zu Hacktivismus vorgelegt hat. Der Untersuchung zufolge gehen Hacktivisten zwar wie Cyberkriminelle vor, doch sind sie dabei nicht profitorientiert, sondern verfolgen politische oder moralische Ziele. Die Studie des BKA fußt auf einer Literaturanalyse sowie der Untersuchung von 183 Fallakten. Diese Untersuchung des sichtbaren Hacktivismus soll noch in diesem Jahr um eine Dunkelfeld-Analyse ergänzt werden, bei der das Dark Web und die Kommunikation von Hacktivisten ausgewertet werden soll.

Aus der Hellfeld-Analyse ergibt sich für das BKA ein klares Bild: Hacktivistische Aktionen bestehen überwiegend in der Verunzierung oder Zerstörung von Webseiten, zu denen sich die Gruppen klar zu ihrer Tat bekennen. Firmen, politische Parteien und Kirchen stehen in dieser Reihenfolge im Mittelpunkt der Aktionen. In Zukunft dürfte der Hacktivismus auch in Deutschland zunehmen, fürchtet das BKA. Besonders gefährlich sei die nachrichtendienstliche Lenkung hacktivistischer Projekte.

An der BKA-Studie fällt auf, dass der Begriff "Hacktivismus" sehr breit ausgelegt wird. Neben bekannten Gruppen wie Anonymous, Lulzsec, Antisec oder Telecomix werden selbst die frühen Taten des DeCSS-Programierers Jon Lech Johansen oder das Megaupload-Projekt von Kim Dotcom dem Hacktivismus zugerechnet, da beide für die "Freiheit des Internet" gestritten hätten. Als größtes Problem bewertet das BKA die Trennung zwischen bewusst agierenden Hacktivisten und Mitläufern, denen garnicht bewusst sei, dass sie an einer Straftat mitwirken.

Die Studie arbeitet deutlich den Unterschied zwischen Hacktivisten und Cyberterroristen heraus. Letztere wollen Propaganda verbreiten, Mitstreiter rekrutieren und Angriffe auf kritische Infrastrukturen vermeintlicher Gegner durchführen. Den Hacktivisten hingegen lägen solche Motive fern, bei ihnen vermischten sich Motive der frühen Hacker-Ethik und des Respekts vor guten Hacks mit Sensationslust und der Lust an Spaß und Schabernack (Lulz).

In der Radikalisierung und möglichen nachrichtendienstlichen Lenkung dieser Mitläufer sehen die Experten eine Herausforderung für den künftigen Umgang mit Internet-Aktionen. "Auch wenn sich Hacktivismus als gesellschaftliche und demokratische Möglichkeit politischer Teilhabe etabliert, werden sich viele Aktionsformen von Hacktivismus immer auf einem schmalen Grat zwischen Aktionen zivilen Ungehorsams und illegalen Angriffen bewegen bis hin zur Grenze des Cyberterrorismus", heißt es im Fazit der Studie. (vbr)