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BND-Spionagefall: Berlin verschärft den Ton gegenüber den USA

Erst der NSA-Skandal mit der globalen Totalüberwachung, inklusive Abhören des Merkel-Handys. Nun ein für US-Dienste arbeitender BND-Mitarbeiter. Die Bundesregierung hat langsam die Nase voll von den Schnüffeleien des Partners. Der Ton wird rauer.

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Angela Merkel besucht derzeit China.

(Bild: Bundesregierung/Kugler)

In der Affäre um den Spionagefall beim Bundesnachrichtendienst (BND) verschärft die Bundesregierung den Ton gegenüber den Vereinigten Staaten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich während ihrer China-Reise beunruhigt über die Spionageangriffe auf Deutschland und beklagte einen Vertrauensbruch durch verbündete Staaten wie die USA. Zu dem Fall des festgenommenen BND-Mitarbeiters, der für US-Geheimdienste spioniert haben soll, sagte sie am Montag in Peking: "Es handelt sich, wenn das so ist, um einen sehr ernsthaften Vorgang."

Nachdem sich Bundespräsident Gauck bereits besorgt gezeigt hat, betonte Merkel nun: "Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, so steht das für mich in einem klaren Widerspruch zu dem, was ich unter einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von Diensten und von Partnern verstehe."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Montag während eines Besuchs in der Mongolei: "Sollten sich die Verdachtsmomente bestätigen, ist das auch politisch ein Vorgang, bei dem man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann." Das weitere Vorgehen hänge von den weiteren Erkenntnissen der Ermittlungen ab. Zugleich forderte er die USA auf, sich "mit ihren Möglichkeiten" an der Aufklärung zu beteiligen.

Zu Forderungen der Opposition nach Ausweisung von US-Diplomaten aus ihrer Botschaft in Berlin sagte Steinmeier in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator: "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bleibt es dabei, dass wir die Reihenfolge aufrechterhalten: Erst Klärung und dann entscheiden, was zu tun ist." Bislang hatte die Bundesregierung nur den US-Botschafter zum Gespräch ins Auswärtige Amt gebeten.

Der BND-Mitarbeiter soll innerhalb von zwei Jahren 218 Dokumente an US-Geheimdienste weitergeleitet und dafür 25.000 Euro kassiert haben. Er wurde am vergangenen Mittwoch festgenommen. Die Dokumente enthielten laut BND keine sehr heiklen Informationen.

Innenminister Thomas de Maizière erwägt einem Medienbericht zufolge, die Aufklärung der deutschen Geheimdienste auf die USA auszuweiten. Der CDU-Politiker habe in einer internen Runde von der dringenden Notwendigkeit gesprochen, einen "360-Grad-Blick" zu erlangen, berichtete "Bild" unter Berufung auf Sicherheitskreise. Das Blatt zitierte zudem aus einem ihm vorliegenden "Geheimpapier" des Ministeriums, in dem von einer konkreten "Planung von Gegenmaßnahmen" die Rede ist. Diese sollen unter anderem die Kommunikationsüberwachung betreffen.

Der Bericht ließ offen, wann sich de Maizière in dieser Weise geäußert hat – vor oder nach Bekanntwerden der Spionageaffäre im BND. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte bereits nach Bekanntwerden der NSA-Spähaktionen eine "Neujustierung der Spionageabwehr, eine Art 360-Grad-Blick" angekündigt.

Der für die Spionageabwehr zuständige Verfassungsschutz konzentrierte sich in der Vergangenheit komplett auf jene, von denen er Schnüffeleien erwartete: Russen oder Chinesen etwa. (dpa) / (mho)

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