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BND will angeblich mit 150 Millionen Euro Whatsapp & Co. knacken

Wegen der wachsenden Verbreitung sogenannte Krypto-Messenger fällt es dem BND immer schwerer, Kommunikationsinhalte einzusehen. Deshalb soll nun mit Millionen Euro und Taktiken aus dem NSA-Arsenal gegen die Apps vorgegangen werden.

WhatsApp

Im Rahmen seine Pläne zur intensiveren Kommunikationsüberwachung will der BND in den nächsten Jahren 150 Millionen Euro dafür ausgeben, Krypto-Messenger wie Whatsapp zu knacken. Das geht aus internen Dokumenten hervor, aus denen Netzpolitik.org zitiert. Demnach will der Geheimdienst in dem Projekt "ANISKI" ("Aufklärung nicht-standardisierter Kommunikation im Internet") die Fähigkeiten entwickeln, wieder auf Inhalte von Messengern zugreifen können. Denn nach den Snowden-Enthüllungen führten immer mehr Messenger eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein, bei der weder die Anbieter noch Sicherheitsbehörden oder Geheimdienste direkt an Inhalte gelangen können.

Die Pläne des BND, sich verstärkt auch auf Messenger konzentrieren zu wollen, waren bereits im September bekannt geworden. Damals war auch bereits berichtet worden, dass der Geheimdienst für das Jahr 2017 mehr als 21 Millionen Euro für die Maßnahmen gegen Messenger veranschlagt. Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen, welche Geldmittel der BND in den Jahren danach für notwendig hält. Bewilligt sind die aber noch nicht, lediglich die rund 5 Millionen im Budget des aktuellen Jahres. Die 150 Millionen Euro für den Kampf gegen die Messenger-Verschlüsselung können sich also ändern.

Aus den internen Dokumenten geht laut Netzpolitik.org nun hervor, dass der BND beklagt, verschlüsselte Kommunikation werde nicht mehr nur noch von "nachrichtendienstlich relevanten Nutzern" eingesetzt. Wegen der gestiegenen Verbreitung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sei die Identifizierung nachrichtendienstlich relevanter Nutzer und der Blick auf die Inhalte "stark beeinträchtigt". Von 70 verfügbaren Kommunikationsdiensten könne man weniger als zehn "inhaltlich erschließen" – also die verschickten Nachrichten einsehen. Neue Technik sei deswegen nötig, aber auch Maßnahmen, um sich Schlüssel oder Zertifikate zu beschaffen. Der BND setzt hier also auf Maßnahmen, die die NSA einsetzt und die in den vergangenen Monaten und Jahren vielfach kritisiert wurden.

Zwar hat sich der BND gegenüber Netzpolitik.org nicht zu den Plänen geäußert, aber jede Menge Kritiker sind dort bereits zu Wort gekommen. So erinnert mit Frank Rieger der Sprecher des Chaos Computer Clubs daran, dass der Staat zum Schutz seiner Bürger verpflichtet ist. Mit solchen Angriffen auf Kommunikationsdienste gefährde er die aber und setze sie unkalkulierbaren Risiken aus. André Hahn von der Linkspartei meint demnach, dass Kriminelle angesichts geschwächter Messenger einfach die Plattform wechseln würden, während die Bürger danach weiter auf einer unsicheren Plattform kommunizierten. (mho)

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