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BSI: Sicherer Betrieb intelligenter Stromzähler kann flächendeckend starten

Die für den verschlüsselten Einsatz intelligenter Messsysteme nötige Infrastruktur sei nun ausnahmslos verfügbar, meldet das BSI in einer Marktanalyse.

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BSI: Sicherer Betrieb intelligenter Stromzähler kann flächendeckend starten

(Bild: Krisana Antharith/Shutterstock.com)

Der flächendeckende Einbau elektronischer Erfassungsgeräte für den Energieverbrauch in Haushalten rückt näher. Die für den sicheren Betrieb intelligenter Messsysteme notwendige Infrastruktur in Form einer Bedienoberfläche für sogenannte Smart-Meter-Gateways sowie der zugehörigen Public-Key-Infrastruktur für eine verschlüsselte Datenübertragung "steht vollständig zur Verfügung", berichtet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Die Bonner Behörde schöpft ihre optimistische Einstellung aus der von ihr erstellten und am Donnerstag veröffentlichten ersten Marktanalyse auf Basis des Gesetzes über den Messstellenbetrieb und die Datenkommunikation in intelligenten Energienetzen, das der Bundestag 2016 im Rahmen der angestrebten "Digitalisierung der Energiewende" beschlossen hatte. In der Übersicht erfassen die staatlichen Beobachter den Stand der Umsetzung der BSI-Standards sowie der eichrechtlichen Anforderungen für intelligente Stromzähler und zugehörige Systeme sowie Schnittstellen.

Laut dem Bericht sind aktuell 31 Unternehmen als Smart-Meter-Gateway-Administrator beim BSI registriert. Sie bieten damit auch Dienstleistungen an, um den sicheren Betrieb intelligenter Messsysteme zu gewährleisten. Um die Privatsphäre der Nutzer und die Vertraulichkeit der übermittelten Messwerte der Verbraucher zu wahren, müssten diese verschlüsselt und ihre Integrität gesichert werden. Die dafür erforderlichen digitalen Zertifikate bieten derzeit zehn einschlägige Dienstleister an.

Parallel hat die Energiewirtschaft laut dem BSI ihre Prozesse angepasst und so gewährleistet, "dass Daten aus den intelligenten Messsystemen empfangen und verarbeitet werden können". Mitte Dezember zertifizierte die Behörde erstmals ein Smart-Meter-Gateway, das die Firmen Power Plus Communications AG und OpenLimit SignCubes entwickelten. Acht weitere Hersteller durchlaufen aktuell noch das Prüfverfahren.

Die Voraussetzungen für den "gesetzlich vorgeschriebenen Rollout der Smart-Meter-Gateways" lägen angesichts dieses Stands aber noch nicht vor, schreibt das BSI. Dieser könne erst starten, wenn man drei Geräte unterschiedlicher Hersteller zertifiziert habe. Bereits jetzt sei die Installation der ersten geprüften Geräte aber "auf Kundenwunsch möglich". Schon im Dezember hätten die ersten Messstellenbetreiber auch mit dem Einbau intelligenter Stromzähler bei ihren Kunden begonnen. E.on etwa hat nach eigenen Angaben schon vor einem Jahr 16.000 Gateways bestellt und plant, diese Geräte künftig millionenfach ins Feld zu bringen.

Der Bundestag sieht größere Verbraucher ab 7 kW installierter Leistung und Betreiber von Erzeugungsanlagen wie Photovoltaik-Systemen in einer Smart-Meter-Vorreiterrolle. Der "haushaltsnahe Bereich" soll von 2020 an bei einem Jahresverbrauch von über 6000 kWh an "mit einem verpflichtenden Einbau" folgen. Dies trifft durchschnittlich für einen Haushalt mit fünf oder mehr Personen zu.

Um den wachsenden Anforderungen von Energiewende und Cyber-Sicherheit gerecht zu werden, haben das Bundeswirtschaftsministerium und das BSI am Dienstag eine Standardisierungsstrategie zur sektorübergreifenden Digitalisierung" im Einklang mit dem Smart-Meter-Gesetz abgesteckt. Ein "Barometer" enthält auch Arbeits- und Zeitpläne, die im Dialog mit den betroffenen Branchen und Behörden ständig weiterentwickelt werden sollen. Bei dem Plan, "moderne Messeinrichtungen" rasch ins Feld zu bringen, hakt es demnach derzeit noch.

Die Piraten blasen derweil zum Widerstand gegen die Zwangsbeglückung der privaten Verbraucher mit "Spionagezählern": Mithilfe eines Musterbriefs sollen diese den eigenen Stromversorger anschreiben und einer Installation widersprechen. "Es kommt zu einer finanziellen Mehrbelastung um bis zu 90 Euro pro Jahr und Haushalt, es fehlt der Nutzen beim Energiesparen und es erfolgt ein tiefgreifender Eingriff in die Privatsphäre der Bürger", beklagt Patrick Breyer, Spitzenkandidat der Piratenpartei zur Europawahl. "Mithilfe der geplanten Verbrauchsaufzeichnung im 15-Minuten-Takt kann die Anwesenheit und das Verhalten in der eigenen Privatwohnung in bisher ungekanntem Maße nachvollzogen und ausgewertet werden. Vermieter, Ehepartner, Polizei, Geheimdienste oder Einbrecher könnten damit das Privatleben ausspionieren." (mho)

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