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BVDW: Ausbildung statt Headhunter

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Zwei Tage nach dem nationalen IT-Gipfel setzt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) ein Zeichen für mehr Ausbildung in der digitalen Wirtschaft. Am heutigen Mittwoch gab der Verband in Düsseldorf die Gründung der Ausbildungsplattform Akademie der Digitalen Wirtschaft bekannt. Mit diesem Angebot will der BVDW Unternehmen ermutigen, ihre Mitarbeiter ständig weiterbilden zu lassen.

BVDW-Vizepräsident Harald Fortmann beschrieb die Folgen des Fachkräftemangels in der deutschen Wirtschaft deutlich: "Agenturen können Aufträge nicht mehr annehmen, weil ihnen die Mitarbeiter fehlen." Der Grund sei auch in der Branche selbst zu suchen. "Wir jagen uns gegenseitig die Mitarbeiter mit Headhuntern ab." In Aus- und Weiterbildung werde aber kaum investiert: "Das Jammern in den Unternehmen ist groß, die Bereitschaft zum Investieren fehlt aber." Ein kostspieliger Kreislauf: So schildert Fortmann, dass sein eigenes Unternehmen im letzten Jahr einen sechsstelligen Betrag für Headhunter-Dienste in Deutschland ausgegeben habe.

Die "Akademie" ist keine eigenständige Bildungseinrichtung, sondern lediglich eine Plattform, auf der Angebote verschiedener Bildungsträger aufgeführt sind. Der BVDW hat einen Fachbeirat, der interessante Bildungsangebote auswählt und auf Praxisrelevanz prüft. Die Ausbildungsträger müssen sich verpflichten, ständig aktuelle Inhalte zu vermitteln und genügend Lehrkräfte für die Vermittlung bereitzuhalten. Im Gegenzug bekommen die Kurse ein Gütesiegel und werden den Mitgliedsfirmen und anderen Interessenten empfohlen. Zum Start beteiligen sich fünf Bildungseinrichtungen: die Medienakademie Berlin, die Dialog Akademie, die DEKRA-Akademie, die TeleLearn-Akademie und die Hochschule Karlsruhe mit dem Schwerpunkt Technik und Wirtschaft. Der BVDW steht mit weiteren Bildungseinrichtungen und Hochschulen in Verhandlungen.

Um die Fortbildungsmüdigkeit der Branche zu überwinden, kündigte Fortmann ein Stipendien-Programm an, bei dem Mitarbeiter gefördert werden, deren Arbeitgeber nicht in Weiterbildung investieren. Für das kommende Jahr sind zehn Stipendien vorgesehen. Größten Wert legt der BVDW in die Praxistauglichkeit der Bildungsangebote, da zum Beispiel die universitäre Ausbildung wenig Rücksicht auf die Realität in den Betrieben nehme, wie Fortmann erklärte. Standardisierte Ausbildungsgänge, die von verschiedenen Bildungsträgern parallel angeboten werden, stehen aber nicht auf der Agenda des Verbandes. So gibt es keine festen Lehrpläne oder staatlich anerkannte Abschlüsse. Dafür setzen einige Anbieter schon seit Jahren auf E-Learning. Um die Qualität sicherzustellen, sollen die Teilnehmer nach einem Kurs anonym befragt werden.

Ob das Konzept in der Praxis fruchten wird, bleibt abzuwarten. Bisher hat sich der Verband darauf beschränkt, bestehende Angebote in seine Plattform zu integrieren. Für das kommende Jahr rechnet der Verband mit mindestens 500 Absolventen der Angebote, wahrscheinlich sei aber eine vierstellige Zahl von Teilnehmern. Als Pilotprojekt wurde der neue Abschluss Fachwirt Online Marketing BVDW ins Leben gerufen, der ein achtmonatiges berufsbegleitendes Studium voraussetzt und im kommenden Jahr in insgesamt fünf deutschen Städten angeboten wird. Nicht alle Angebote der Akademie sind aber so anspruchsvoll, Firmen und Mitarbeiter können auch Tagesseminare zu Themen wie Newsletter-Marketing oder Barrierefreiheit buchen. (Torsten Kleinz) / (jk)