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"Bad-On": Adblock Plus geht gegen "Computer Bild" vor

In der Kampagne gegen den Werbeblocker schlägt der Hersteller nun juristisch zurück. Das Landgericht Hamburg verbot die Verbreitung eines Artikels.

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Das Kölner Unternehmen Eyeo, das für die Entwicklung des Werbeblockers Adblock Plus verantwortlich ist, hat sich vor dem Landgericht Hamburg gegen die "Computer Bild" durchgesetzt. Das Gericht verbot die Verbreitung eines Artikels, in dem Browser-Addons pauschal als Gefahrenquelle dargestellt wurden und insbesondere Adblock Plus als potenzielles Spionagetool vorgestellt wurde.

Der Artikel unter dem Titel "Bad-Ons" war im Februar in der "Computer Bild" erschienen. Hierin wurde auf die Fälle verwiesen, in denen harmlose Browser-Erweiterungen per Update in Werbeschleudern verwandelt wurden. Doch statt sich nur auf die vorhandenen Fälle zu stützen, wartete die Redaktion mit einer Demonstration am Beispiel Adblock Plus auf. "Das 1&1-Team brauchte nur einige Codezeilen, um aus der Browser-Erweiterung ein fieses Spionagewerkzeug zu stricken", heißt es in dem Artikel.

Zwar wird in dem Text erwähnt, dass es sich hierbei nur um einen Laborversuch handele und dass es diese manipulierte Version von Adblock Plus nicht in der freien Wildbahn gebe. Im weiteren werden aber Angriffsszenarien beschrieben, wonach durch manipulierte Add-Ons auch Online-Banking-Anwendungen angegriffen werden können.

Till Faida, Geschäftsführer von Eyeo, sieht seine Firma zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Wir haben viele Anfragen von verunsicherten Nutzern bekommen", sagt Faida im Gespräch mit heise online. Deshalb habe Eyeo entschieden, gegen solche Behauptungen vorzugehen.

Um die Klage zu untermauern, ließ Eyeo ein Gutachten erstellen, wonach in den aktuellen Versionen von Adblock Plus kein Schadcode zu finden sei. Die Hamburger Richter erließen daraufhin in der vergangenen Woche eine Einstweilige Verfügung (Aktenzeichen 312 O 79/14) mit dem Verbot, den Artikel weiter zu verbreiten. Er wurde inzwischen von der Webseite gelöscht. Ob "Computer Bild" gegen die Einstweilige Verfügung vorgehen will, ließ eine Sprecherin gegenüber heise online offen.

Doch es geht um mehr als den einen Artikel: So hatten mehrere Werbevermarkter angekündigt gegen Adblock Plus vorzugehen, darunter auch der Konzern Axel Springer, zu dem auch "Computer Bild" gehört. Der Artikel der Zeitschrift diente als Grundlage für eine umstrittene Aktion der 1&1-Marken GMX und Web.de gegen "seitenmanipulierende Add-Ons".

Faida spricht gegenüber heise online von einer "Kampagne von GMX und Web.de". Pikanterweise gehört Mutterkonzern United Internet mit diversen Töchtern zu den Vertragspartnern, die über das ebenfalls umstrittene Programm "Acceptable Ads" ihre Werbung für Adblock-Plus-Nutzer freischalten lassen.

Gegen United Internet selbst will Faida vorerst nicht vorgehen. Der Konzern hatte nach Beschwerden aufgehört, per Warnmeldung vor Adblock Plus zu warnen und beschränkt sich auf einige wenige Add-Ons, die zusätzlich Werbung einblenden. Zudem wurden nun auch die Artikel im redaktionellen Teil von GMX und Web.de, die sich auf den Artikel von "Computer Bild" bezogen und den Werbeblocker noch deutlich schärfer angingen, um die Erwähnung von Adblock Plus bereinigt. (anw)