Bahn-Tickets für Fernzüge etwas günstiger – Aufschläge im Nahverkehr

Die Bundesregierung will Bahnfahren mit niedrigeren Steuern attraktiver machen. Pendler müssen allerdings mit höheren Kosten rechnen.

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(Bild: Erich Westendarp, Lizenz CC0 1.0 Public Domain)

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Deutlich teurere Bahntickets für Pendler im Nahverkehr, aber kaum gestiegene Preise für längere Distanzen – beim Blick auf die Kosten von Zugfahrten fällt das Bild für Millionen Bahnfahrer in Deutschland geteilt aus. So mussten die Bundesbürger im Fernverkehr in den vergangenen vier Jahren nur Preissteigerungen von 1,3 Prozent verkraften, berichtete das Statistische Bundesamt am Freitag. Im Nahverkehr der Deutschen Bahn kletterten die Preise indes um 14 Prozent und damit kräftiger als die allgemeine Inflation.

Die Wiesbadener Statistiker haben die Preisentwicklung für mehrere Verkehrsmittel zwischen November 2015 und November 2019 verglichen. Demnach sind insbesondere Reisen mit Fernbussen deutlich teurer geworden – um satte 15,4 Prozent. Ebenso wie im Bahn-Nahverkehr stiegen die Preise dort deutlich stärker als die Verbraucherpreise in dem Zeitraum (5,6 Prozent). Kräftig verteuerten sich auch Tickets für den Öffentlichen Personennahverkehr (Bus und Bahn in Verkehrsverbünden) mit plus 8,1 Prozent. Inlandsflüge haben sich nach Beobachtungen der Testkäufer dagegen um 2,9 Prozent verbilligt.

Zwar sind Fernverkehrstickets gerade am Wochenende stark nachgefragt und oft entsprechend kostspielig. Doch viele Bahnfahrer nutzen eine Bahncard für Rabatte oder ergattern abseits von Stoßzeiten Sparpreise. Den regulären Preis zahlt nur eine Minderheit der Bahnfahrer. Die Aufschläge im Nahverkehr dürften allerdings viele Pendler schmerzen.

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Die im Schnitt kaum gestiegenen Preise für Ferntickets der Bahn sollen ab Januar billiger werden. Im Klimapaket der Bundesregierung ist festgeschrieben, die Mehrwertsteuer im Fernverkehr ab Neujahr von 19 auf 7 Prozent zu senken – ebenso wie im Nahverkehr, wo schon 7 Prozent Mehrwertsteuer gilt. Die Bahn will den Vorteil an die Kunden weitergeben: Die Ticketpreise im Fernverkehr fallen ab Januar um rund 10 Prozent. "Wir sind sicher, dass sich die Preis-Wahrnehmung der Bahn damit entscheidend wandelt", erklärte ein Bahn-Sprecher am Freitag. Fernverkehrstickets gebe es ab Januar schon ab 17,90 Euro.

Der bundeseigene Konzern erwartet mit der Absenkung der Mehrwertsteuer im Fernverkehr ein jährliches Plus von fünf Millionen Fahrgästen. Damit würde die Zahl der Reisenden im Fernverkehr weiter stark wachsen: 2018 nutzten fast 133 Millionen Fahrgäste die Bahn für längere Strecken in Deutschland, das waren fast 14 Prozent mehr als 2015 (fast 117 Millionen). Zum Vergleich: Ins Flugzeug an deutschen Hauptverkehrsflughäfen stiegen 2018 etwa 24 Millionen Menschen.

Die Deutsche Bahn will in den kommenden Jahren mehr als zwölf Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung der Fahrzeugflotte investieren. Damit sollen die Kapazitäten steigen. Die Bahn hat nach wie vor große Probleme mit der Pünktlichkeit der Züge und mit Engpässen im Netz. In diesem Jahr hat die Bahn außerdem 1,3 Milliarden Euro investiert, um 650 Bahnhöfe zu sanieren.

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[Update 29.12.2019 12:32 Uhr:]

Mit Beginn des neuen Jahres müssen Fahrgäste von Stadtbussen, Straßenbahnen und U-Bahnen für Tickets vielerorts wieder tiefer in die Tasche greifen. Von den großen Verkehrsverbünden erhöhen zum Jahreswechsel die meisten die Preise. Nach einer Auswertung durch die Deutsche Presse-Agentur betrifft das etwa Kunden im Ruhrgebiet, im Rheinland, in Berlin und Brandenburg, in den Großräumen Hamburg und Bremen sowie im Rhein-Main-Gebiet. Hinzu kommen alle, die in Regionalzügen außerhalb von Verkehrsverbünden unterwegs sind.

Zwischen 1,3 und 3,3 Prozent mehr verlangen die Verkehrsunternehmen von ihren Kunden. Damit sollen etwa höhere Gehälter der Mitarbeiter und gestiegene Kraftstoffpreise ausgeglichen werden.
Viele Kunden in Süddeutschland dagegen kommen ungeschoren davon. Im Großraum München brachte eine Tarifreform Mitte Dezember im Schnitt sieben Prozent niedrigere Preise. In und um Stuttgart machten einfachere Tarifzonen viele Verbindungen günstiger. Im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg bleiben die Preise gleich.

Mehr Menschen sollen Bus und Bahn fahren statt Auto und so klimaschädliches Kohlendioxid vermeiden. Das ist eines der Ziele des Klimaprogramms, das Bundestag und Bundesrat kurz vor Weihnachten beschlossen haben. Der Bund steckt dazu auch zusätzliches Geld in den Nahverkehr – da waren die Fahrpreiserhöhungen aber schon beschlossen. Höhere Gehälter, Diesel- und Strompreise sowie Materialkosten machten dies unumgänglich, argumentierte etwa der Verkehrsverbund Rhein-Sieg. Zwischen Aachen, Bonn und Remscheid steigen die Preise um 2,5 Prozent. Im Nachbarverbund Rhein-Ruhr sind es im Schnitt 1,8 Prozent, im Rhein-Main-Verkehrsverbund und damit für die meisten Bewohner Hessens gehen die Preise um 1,5 Prozent nach oben, im Hamburger Verkehrsverbund um 1,3 Prozent.

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Gleich 3,3 Prozent teurer wird es dagegen in Berlin und Brandenburg. Die Verkehrswende sei nur mit dem öffentlichen Nahverkehr zu stemmen, hieß es. In der Region hatte es zwei Nullrunden gegeben. Nun sei zusätzliches Geld nötig für neue Busse, U-Bahn- und Straßenbahnzüge, für Wartung, Personal und Investitionen in umweltfreundliche Antriebe.

"Die Klimaschutzziele im Verkehrssektor sind nur über einen starken öffentlichen Personenverkehr zu erreichen", sagte Ingo Wortmann, der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. "Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und den Verkehrsunternehmen." Massive Investitionen seien nötig, um die Netze von Grund auf zu erneuern und auszubauen. Die jährlichen Einnahmen von 13 Milliarden Euro aus dem Fahrscheinverkauf seien dafür entscheidend. Drei Viertel davon deckten die Betriebskosten. Der Rest für Betrieb und Investitionen komme aus den öffentlichen Haushalten. (ola)