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Bahn soll Mitarbeiter-Mails systematisch durchforstet haben

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In der Affäre um die Bespitzelung von Bahn-Mitarbeitern gerät Vorstandschef Hartmut Mehdorn weiter unter Druck. Nach Erkenntnissen der mit der Aufklärung des Datenskandals beauftragten Sonderermittler habe die Bahn die E-Mails ihrer Mitarbeiter gezielt nach Kontakten zu Journalisten durchforstet, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise.

So sollen Nachrichten, in denen die Namen bestimmter Journalisten auftauchten, automatisch und ohne Wissen der Mitarbeiter an eine interne Kontrollstelle weitergeleitet worden sein. Von dieser "großflächigen" Aktion war nach Angaben der Zeitung ein größerer Teil der Belegschaft betroffen gewesen. Im Februar hatte bereits das ARD-Fernsehmagazin Monitor berichtet, bahninterne Mail-Server seien auf Kontakte mit Journalisten überprüft worden.

Die Sonderermittler um die ehemaligen Bundesminister Gerhart Baum (FDP) und Herta Däubler-Gmelin (SPD) erstatteten dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn am Freitag Bericht. Die Ermittler hätten zahlreiche Akten ausgewertet und Mitarbeiter befragt, heißt es weiter. Bei diesen Recherchen seien sie auf den automatischen E-Mail-Filter gestoßen.

Auch Mehdorn musste sich am Freitag vor dem Aufsichtsrat wegen der Datenaffäre verantworten. Dort soll die nun bekannt gewordene Spähaktion Unmut ausgelöst haben, schreibt die SZ, in Aufsichtsratskreisen werde die Aktion als "Katastrophe" bezeichnet. Die Gewerkschaftsvertreter in dem Gremium stellten nun die Frage, ob Mehdorn noch zu halten sei. Auch der Vertreter des Bundesverkehrsministeriums gehe auf Distanz zum Bahnchef. Das Treffen in Berlin war am Nachmittag noch im Gange. (vbr)