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Baidu überflügelt Google in China

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Die chinesische Suchmaschine Baidu hat Google als beliebteste Suchmaschine im Reich der Mitte überflügelt. Zu diesem Ergebnis kommt das China Internet Network Information Centre (CNNIC) nach einer Umfrage (PDF-Datei) unter chinesischen Internetnutzern. In Peking und Kanton wurde die chinesische Suchmaschine, die kürzlich erfolgreich an der Nasdaq gestartet ist, von 51,5 beziehungsweise 48 Prozent der Nutzer als erste Wahl für die Websuche angegeben. Google rangierte in den beiden Städten jeweils auf Platz zwei mit 32,9 beziehungsweise 28,7 Prozent.

Vor allem unter Schülern und jüngeren Studierenden gilt Baidu als "cool", so ein Resümee der Umfrage. 50 Prozent der Baidu-Nutzer sind Studierende und Schüler weiterführender Schulen, gesucht werden vor allem MP3-Dateien. Laut Lu Weigang, Leiter der CNNIC-Studie, liefert die Altersverteilung auch die Erklärung dafür, dass Baidu in Shanghai deutlich schlechter abschneidet. In der chinesischen Bankenmetropole liegt Google (38,2 Prozent) näher am Spitzenreiter (43,9). "In Shanghai machen Schüler nur rund 30 Prozent der Nutzer aus", sagte Lu gegenüber heise online. "Außerdem sind hier mehr ausländische Unternehmen ansässig, deren Nutzer dann möglicherweise eher Google nutzen." Unter älteren und so genannten "Highend-Nutzern" hat Google noch die Nase vorne, so die Zahlen.

Eine Trendaussage für die weitere Entwicklung im hart umkämpften chinesischen Suchmaschinenmarkt wagt Lu nicht. "Es ist denkbar, dass die mit Baidu aufgewachsenen jüngeren Nutzer dafür sorgen, dass Baidu zur wichtigsten Suchmaschine wird. Aber auch die Theorie, dass sie später zu Google wechseln, ist nicht auszuschließen." Die ersten Zahlen ließen dazu keinen Schluss zu. Interessant allerdings: Neueinsteiger, die vor sechs Monaten noch keine Suchmaschine genutzt haben, tendieren in erster Linie zu Baidu (48,2 Prozent). Google kommt hier sogar nur auf Platz drei (12,5 Prozent) und liegt hinter der Suchmaschine des schon als Traditionsportal zu bezeichnenden Sohu (19,6). Wie auch Konkurrent Sina tut sich Sohu schwer, gewinnt allerdings laut CNNIC durch eine Werbekampagne für seine neue Suchmaschine wieder an Boden.

Laut chinesischen Medienberichten plant schließlich auch MSN den Start einer eigenen Suchmaschine, um in dem Markt mitzumischen, der laut Analysten bis 2007 auf rund 370 Millionen US-Dollar wachsen könnte. Die künftige Entwicklung will CNNIC, das in seinen Halbjahresstudien die Zahl der chinesischen Internetnutzer bilanziert -- im Juni 2005 waren es demnach 103 Millionen --, in Anschlussstudien weiterverfolgen. Für die erste Studie hat CNNIC jeweils 1000 Telefoninterviews in den drei Metropolen geführt.

Völlig außer Acht gelassen hat man bei CNNIC jegliche politische Überlegung. Doch liegt die Vermutung nahe, dass die chinesische Regierung ähnlich wie die französische eine chinesische Suchmaschine favorisiert. Unberücksichtigt in der Studie bleibt auch die Frage, inwieweit Google für jüngere Schüler von ihren Campus-Anschlüssen aus überhaupt erreichbar ist. (Monika Ermert) / (anw)