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Bald neu als Top Level Domains im Web: .中国,.рф, .إمارات

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Die Direktoren der Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) machten heute den Weg frei für die Einführung der ersten Top Level Domains mit Endungen in nicht-lateinischen Zeichen. Ab dem 16. November können sich Bewerber aus Ländern mit nicht-lateinischer Schrift um eine landessprachliche Variante ihrer Länderadresszone (wie .de) bewerben. Zu den wahrscheinlichen Kandidaten der über Jahre von den technischen Entwicklern bei der Internet Engineering Task Force (IETF) vorbereiteten Erweiterung des DNS gehören so etwa China oder Russland (.中国 oder .рф). Auch von rechts nach links geschriebene Länderkürzel, etwa aus dem arabischen Raum (إمارات, für die Vereinigten Arabischen Emirate) können an den Start gehen

ICANN feierte die bereits erwartete Verabschiedung des Verfahrens als eine der größten technischen Herausforderungen für das Internet. Im ersten Schritt rechnet die ICANN-Führung damit, dass 100.000 neue Schriftzeichen im DNS heimisch werden. Seit Jahren hatten verschiedene Regierungen massiv auf die Einführung ihrer Sprachen gedrängt und teilweise bereits eigene Testzonen eingerichtet – stets wurde vor einer so genannten "Balkanisierung" des Domain Name System gewarnt.

Rund 30 Bewerber gibt es laut Aussagen von ICANN für eine internationalisierte ccTLD (IDN-ccTLD). In vielen, vielleicht sogar allen Fällen dürfte die bisherige ccTLD-Registry – die wiederum häufig unter Kontrolle der jeweiligen Regierung steht – auch das Geschäft mit den landessprachlichen Adressen machen.

Genau an diesem Punkt setzt auch – trotz viel Applaus in der Domain-Gemeinde – die nicht ganz überhörbare Kritik an. "Die nationalen Monopol-Länderregistries werden jetzt vor allen anderen in den IDN-Raum gelassen", (warnt) der kritische ICANN-Beobachter Milton Mueller in einer Nachbetrachtung zum Treffen der ICANN in Seoul. Gleichzeitig würden aber hunderte, wenn nicht sogar tausende legitimer Mitbewerber, die ebenfalls Innovationen ins DNS bringen wollten, weiter hingehalten. Mueller spielte damit auf die weitere Verzögerung bei der generellen Öffnung des Namensraumes für neue Top Level Domains an.

Tatsächlich meldeten zwei andere Interessengruppen im Verlauf der ICANN-Tagung in Seoul noch einmal nachdrücklich ihre Ansprüche in Bezug auf IDN-TLDs an. Steve DelBianco von der stark aufs Markenrecht pochenden Lobbyorganisationen NetChoice warnte, Nutzer würden durch die Einführung der IDN-ccTLDs allein enttäuscht. "Sie werden Youtube.com in Arabisch oder Chinesisch oder Japanisch eingeben. Und da wird nichts sein. Genausowenig wie bei Google.com, eBay.com oder Facebook.com, weil wir keinen Plan dafür haben", sagte er. Ob Länder wie China oder Russland eine chinesische oder russische .com kampflos VeriSign überlassen, ist allerdings alles andere als ausgemacht.

Zur zweiten Gruppe gehörten Vertreter aus Israel, China und Korea, die die ICANN drängten, auch für generische Adressen in anderen Schriften rasch den Weg frei zu machen. Yoav Keren, CEO des israelischen Registrars DomainTheNet, erinnerte an die Forderung nach nicht-englischen, generischen Adressen aus dem Jahr 2000. Inzwischen liefen viele alternative Adressierungssysteme in den Ländern, ICANN müsse nun dringend nachziehen. (jk)