Bankenfusion: Privatkunden ins Internet

Hintergrund: Eine Fusion von Dresdner und Deutscher Bank hätte schwerwiegende Auswirkungen auf das Privatkundengeschäft.

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Von
  • Christian Rabanus

Was auch immer die angekündigte "enge Zusammenarbeit" der Dresdner und der Deutschen Bank mit sich bringen wird, die seit gestern die Öffentlichkeit beschäftigt – nicht zuletzt ist sie für die beiden Geldinstitute deshalb attraktiv, weil sie damit ihr eher unrentables Privatkundengeschäft zusammen- und ins Internet verlegen können. Nach Berechnungen der Analysten von Morgan Stanley Dean Witter haben nämlich beide Häuser im vergangenen Jahr rund 587 Millionen Mark Verlust mit dem Privatkundengeschäft gemacht. Internet-Banking verspricht deutliche Einsparpotenziale.

Finanzexperten gehen davon aus, dass beide Bankhäuser im Falle der Fusion ein gemeinsame Bank für Privatkunden bilden werden. Auch der Allianz Gruppe, die Aktien von der Dresdner und der Deutschen Bank hält, sagt man ein Interesse nach, sich in das Filialnetz einer solchen Bank einzuklinken – schließlich hätte der Versicherer dann direkten Zugang zu den Privatkunden von Dresdner und Deutscher Bank. Gewerkschaftler befürchten allerdings, dass von den etwa 2.500 Filialstellen beider Banken nach einer Fusion lediglich 2.000 übrig bleiben würden. Sie sehen die Arbeitsplätze von etwa 5.000 der derzeit 30.000 Mitarbeiter im Privatkundenbereich in Gefahr.

Eine Verschlankung des filialgebundenen Retail-Bereichs passt in den Rahmen der Internet-Strategie beider Häuser: Wie die anderen großen deutschen Bank auch setzen Dresdner und Deutsche Bank verstärkt auf die Integration des Internet in die Geschäftsabläufe. Das spart Kosten für Bank und Kunde und ist für die vielbeschäftigten Mitglieder der Internet-Generation attraktiv, die sich nicht mehr mit kurzen Öffnungszeiten herumquälen müssen. Diejenigen aber, die sich keinen Internetanschluss leisten können oder wollen, müssen sich spätestens dann ernstlich Sorgen um ihre Bankanbindung machen, wenn die ersten Geldinstitute anfangen, ihre Filialnetze für Privatkunden ganz dicht zu machen. (chr)