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Bankkonten-Datenhandel nur "Spitze des Eisbergs"

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Die Affäre um den Handel mit Kundendaten zieht weitere Kreise. Auch der Medienriese Bertelsmann ist betroffen. Der Konzern räumte ein, dass ein Subunternehmen einer Tochtergesellschaft der Direct Group möglicherweise in den unzulässigen Datenhandel verwickelt sei, wies darüber hinausgehende Vorwürfe aber scharf zurück. Unterdessen halten Experten die bisher bekannten 17.000 auf einer CD verkauften Kundendatensätze nur für die Spitze des Eisbergs. Weitere Enthüllungen sind zu erwarten.

Die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) hatte am Donnerstag über Beschwerden verschiedener Verbraucher berichtet, die von der Bertelsmann-Tochter BC Bonus Club schriftlich als Kunden begrüßt wurden, ohne nach eigenen Angaben ein Kundenverhältnis eingegangen zu sein. Die Schreiben des im Lotto-Vertrieb aktiven Bonus Club enthielten nach vzhh-Angaben neben den Adressdaten auch die Bankverbindungen der angeblichen Kunden. "Der BC Bonus Club hat Verbrauchern Mitgliedschaften untergeschoben", legten die Verbraucherschützer am heutigen Freitag nach. Die Bertelsmann-Tochter sei abgemahnt und zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert worden.

Bertelsmann weist Mutmaßungen des vzhh, der Bonus Club könne an "diesem schmutzigen Spiel" beteiligt sein, vehement zurück und sieht die Schuld bei einem externen Callcenter. Es gebe Hinweise, dass dieser Subunternehmer "die vertraglichen Vereinbarungen gebrochen und für Zwecke der Kundenwerbung unzulässige Daten erworben und eingesetzt hat", teilte ein Sprecher der Bertelsmann Direct Group auf Anfrage mit. Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen sei sofort beendet worden. Zusätzlich würden alle von dem Callcenter abgeschlossenen Kundenverträge storniert und erstattet, wodurch ein erheblicher Schaden entstehe. Weitere rechtliche Schritte behält sich der Medienkonzern vor. Bertelsmann ist mit dem Tochterunternehmen AZ Direct im legalen Adressenhandel aktiv.

In dem Skandal um die Weitergabe von Bankdaten tausender Bundesbürger hatten Ermittler am Mittwochabend ein Callcenter in Lübeck durchsucht. Dabei seien "Computer mit Daten sichergestellt worden", sagte der Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft der dpa am Donnerstag. Die Durchsuchung in Lübeck geht auf eine Strafanzeige des schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert zurück. Ein Unternehmen im nordrhein-westfälischen Viersen hatte ebenfalls Besuch von den Behörden.

Auslöser der Affäre war eine CD mit Daten von 17.000 Bürgern, die auch Kontoverbindungen enthielt und der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zugespielt worden war. Die Datensätze sollen von Kunden der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) stammen und in der Call-Center-Branche missbraucht worden sein, um Vertragsabschlüsse vorzutäuschen. Die SKL hat inzwischen Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Lottogesellschaft räumte ein, im Vertrieb von SKL-Losen auch externe Call-Center beauftragt zu haben.

Unterdessen hat sich der mutmaßliche Datendieb offenbar den Behörden gestellt. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach bestätigte gegenüber dpa Medienberichte, wonach sich ein Mann aus Hannover bei der Polizei gemeldet habe. Laut Bild-Zeitung hatte der Mann als Leiter eines Callcenters Daten von der Süddeutschen Klassenlotterie gesammelt und für fünfstellige Summen weiterverkauft. Datenschützer Weichert geht nicht von einem Einzelfall aus. Es gebe Hinweise auf sehr viel mehr Daten, die zu solchen Zwecken genützt würden. Ihm sei bereits weiteres Material zugespielt worden, sagte Weichert gegenüber heise online. Weitere Informationen dazu will der Bundesverband der Verbraucherzentralen am kommenden Montag bekannt geben.

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(vbr)