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Battletech angespielt: Kampfkolosse unter sich

In Rundentaktikspiel Battletech duellieren sich riesige Kampfmaschinen um die Vorherrschaft in der Galaxis. Ein Fest für Tüftler und Taktiker, die sich mit technischen Schönheitsfehlern abfinden können.

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Battletech angespielt: Kampfkolosse unter sich

(Bild: Paradox Interactive)

Der Name Battletech lässt Tabletop-Fans mit der Zunge schnalzen. Der Erfinder Jordan Weisman schickt sich nun an, seiner Saga mit seinem Indie-Entwicklerstudio Harebrained Games ein Denkmal auf dem PC zu setzen. Die Story spielt im Jahr 3025 und liest sich wie ein eine Art Game of Thrones im Weltall: Nach einem Putsch hat sich die rechtmäßige Herrscherin ins Asyl zurückgezogen. Gemeinsam mit ein paar Vertrauten baut sie eine Armee auf und wartet auf ihre Rache. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Mechpiloten, der von der Herrscherin in spe für die Revolution angeheuert wird.

Battletech ist ein Rundentaktikspiel im Stil von XCOM. Der Spieler reist mit seiner Crew durchs All, nimmt Aufträge an und rüstet sich für den großen Endkampf. Regelmäßig melden sich die Revoluzzer, um die Geschichte in den Hauptmissionen voranzutreiben. Neben der Story-Kampagne bietet das Spiel auch einen Skirmish-Modus mit kleinen Gefechten gegen die K.I. oder online gegen einen menschlichen Gegner. Für die Online-Partien ist ein kostenloser Account bei Publisher Paradox nötig. Die Skirmish-Gefechte sind bisher nur eine kleine Dreingabe – Battletech konzentriert sich auf den Solo-Modus und die spannende Revolutionsgeschichte.

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Die Kämpfe laufen meist ähnlich ab. Zunächst wählt der Spieler einen Auftrag aus und verhandelt die Prämie. Meist geht es um die Zerstörung einer Basis oder einer bestimmten Anzahl von Gegnern. Dann geht es in die Mechbay, in der sich der Spieler sein Team aus unterschiedlichen Mech-Gewichtsklassen zusammenstellt. Schließlich landet er auf dem Planeten. Langsam erkunden die Mechs das Gelände, bis sie auf die Gegner treffen. Vorsicht ist hier gefragt, denn schnell gerät das Team ins Sperrfeuer feindlicher Mechs oder Geschütztürme.

Ähnlich wie im Tabletop-Original sollte der Spieler sein ganzes Arsenal nicht wahllos auf den Gegner feuern. Stattdessen wird der Gegner taktisch in seine Einzelteile zerlegt. Das braucht seine Zeit und fordert vom Spieler Geduld. Ein temporeiches Actionspektakel ist Battletech nicht.

Genre-Neulinge werden von den zahlreichen taktischen Möglichkeiten überfordert sein. Der Mechpilot muss entscheiden, welche Waffe er einsetzt, wo er hinschießt und aus welcher Richtung. Ein Angriff mit den Sprungdüsen ist effektiv, aber beschädigt den eigenen Mech; Laserstrahlen brennen sich durch die Panzerung, aber heizen das Gefährt auf. Jeder Mech hat seine Vor- und Nachteile, die aus jedem Gefecht eine Schachpartie machen.

Neben den Kämpfen müssen sich die Spieler im geschickten Schiffsmanagement beweisen. Am Anfang ist das Heimatschiff nur ein Schrotthaufen, der langsam mit neuen Antrieben oder Laderäumen aufgerüstet werden muss. Das Herz bildet die Mechbay, in der alle Mechs gelagert werden. Hier kann der Spieler am perfekten Loadout basteln, die Roboter nach einem Einsatz reparieren oder auseinander nehmen, um Ersatzteile zu sammeln. Die Piloten können mit Erfahrungspunkten in Zielgenauigkeit oder Taktik geschult werden. Bis sich die Spieler zurechtgefunden haben, dauert es einige Zeit. Schuld daran sind nicht nur die scheinbar unendlichen Ausrüstungsoptionen, sondern auch das unübersichtliche User Interface.

Battletech angespielt (5 Bilder)

Bei einigen Gefechten fehlt es aufgrund fehlender Kontraste an der Übersicht.
(Bild: heise online)

Mit den taktischen Möglichkeiten und dem spannenden Szenario könnte Harebraineds Taktik-Schwergewicht ein Traum für Strategie-Fans sein. Leider trübt die Technik das Vergnügen. Trotz der nur durchschnittlichen Grafik müssen sich die Spieler auf lange Ladezeiten und viele Glitches einstellen. Die englischen Sprachausgabe ist spärlich und die Sprecher übertreiben mit ihrer pathetischen Aussprache. Die Stärken des Spiels liegen nicht in der spröden Präsentation, sondern im anspruchsvollen Spielprinzip.

Harebrained Games macht mit Battletech vieles richtig: ein cooles Mech-Szenario, viele taktische Möglichkeiten und packende Gefechte. Selbst die Story ist für Genreverhältnisse gut gelungen. Bei diesen Pluspunkten darf man bei den technischen Mängeln auch ruhig mal ein Auge zudrücken. Für geduldige Tüftler bietet BattleTech enormen Spielspaß. Einsteiger werden sich hingegen mit der Steuerung herumärgern, bei den zahlreichen Ausrüstungsoptionen den Überblick verlieren und schnell vor dem knackigen Schwierigkeitsgrad kapitulieren. Battletech ist kein Spiel für die breite Masse, sondern für frustresistente Taktiker mit Geduld und Durchhaltevermögen.

Battletech ist am 24. April als Download für Windows und macOS erscheinen. Es kostet 40 €. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden mit der Windows-Version gespielt.

Siehe dazu auch:

(dahe)