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Bauern suchen Traumfrau im Internet

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Bauer Fritz wirbt mit seinem "von der Landluft gebräunten, adonisartigen Körper". Hobbylandwirt Arne sucht eine sie, "die das Landleben liebt, weiche Hände und starke Arme hat". Und Schäfer Peter sehnt sich nach einem "Mädel, das mit beiden Beinen im Leben steht und keine Angst hat vor der Arbeit in einer Schäferei und vor dem Schlepperfahren". Fritz, Arne und Peter suchen ihre Traumfrau im Internet auf der Seite www.landflirt.de – einem Treffpunkt speziell für Landwirte.

Immer mehr Bauern entdecken, dass der PC nicht nur für Betriebsführung oder Subventionszahlungen taugt, sondern auch zur Partnersuche. Seit einem Jahr steht der "Landflirt" samt Chatroom, Forum, Kontaktanzeigen und dem "Stroh-Stress-Spiel" im Netz. "Zuerst haben wir uns nicht getraut, die Idee umzusetzen. Aber inzwischen sind wir die meistbesuchte Seite im ganzen Agrarbereich", freut sich Christine Weyhofen von Raiffeisen.com, dem Betreiber der Seite. Jeden Monat besuchen rund 90.000 Surfer den virtuellen Treffpunkt.

Besondere Probleme bei der Partnersuche hätten Bauern nicht, meint Weyhofen. "Aber natürlich fehlt bei dem Arbeitsaufwand, den so ein Hof mit sich bringt, die Freizeit." Michael Retmann, zuständiger Online-Redakteur, bekräftigt: "In der Großstadt kann man abends in Kneipen gehen, um Frauen kennen zu lernen. Das kann man auf dem Land weniger."

Obwohl das Schalten einer Anzeige zur Zeit zehn Mark pro Monat kostet, finden sich auf der Seite noch 3500 Anzeigen. Die meisten Inserenten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Einige von ihnen haben bei "landflirt.de" den Traumpartner schon gefunden, berichtet Weyhofen stolz.

Männer suchen weit häufiger. Auf 2841 Anzeigen in der Rubrik "Er sucht sie" kommen nur 829 Gesuche von Frauen. "Wir waren aber überrascht, dass immerhin ein Drittel der Inserenten weiblich sind. Wir haben mit maximal zehn Prozent gerechnet", meint Retmann.

Auffällig oft gefragt ist bei den Damen der Pferdefreund. Aber manchmal hat ihre Vorliebe für Landwirte auch ganz profane Gründe: "Ich steh auf Karohemden", bekennt Hannah. Eine andere fordert – wohl unter dem Eindruck von BSE und MKS – für ein Date nur eins: "Bitte keine Viehbetriebe!"

Der Boom bei "Landflirt" ist erstaunlich. Denn bundesweit zieht es immer weniger Menschen aufs Bauerngehöft. Jedes Jahr geben rund 13 000 Höfe auf, meist Kleinbetriebe. Gab es 1999 noch etwa 432.000 Betriebe in Deutschland, so sank die Zahl nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums im Jahr 2000 auf 421.000.

"Es gibt immer weniger Höfe, die von den Nachfolgern übernommen werden", räumt Dirk Detlefsen, Bundesvorsitzender der Deutschen Landjugend, ein. Dies sei zum Teil auf ein Imageproblem des Landwirtschaft zurückzuführen. "Die Idylle, die uns in Kinderbüchern begegnet, gibt es nicht mehr."

Durchschnittlich ist ein Betrieb inzwischen 50 Hektar groß. Doch die Gefahr, dass die Zukünftige auf dem Hof allzu hart mit anpacken muss, bestehe für die Landflirt-Frauen nicht, meint Retmann: "Die meisten suchen zuerst was fürs Herz, dann was für den Hof." (Steffie Tölg, dpa) / (wst)