Bayern: Datenschützer warnen vor Datenlecks auch in einzelnen Kliniken

Datenschützer sehen deutliche Defizite bei der IT-Sicherheit manchen Kliniken – die IT-Administrationen seien teilweise viel zu schlecht ausgestattet.

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(Bild: Billion Photos/Shutterstock.com)

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Nach der letztjährigen Panne mit hochsensiblen Patientendaten, die unter anderem eine Ingolstädter Arztpraxis betraf, warnen Datenschützer vor Sicherheitsrisiken auch in einzelnen Kliniken. Es gebe Krankenhäuser in Bayern, die im Bereich der IT-Sicherheit völlig unterausgestattet seien, sagte der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Petri am Donnerstag im Rechtsausschuss des Landtags. Manche Krankenhäuser bekämen dafür schlichtweg zu wenig Geld von den Kostenträgern, etwa den Kommunen. Teilweise herrsche wirklich Not. Auch Andreas Sachs vom Landesamt für Datenschutzaufsicht warnte vor einer mangelnden IT-Sicherheitsorganisation in einzelnen Kliniken.

Rechercheteams des Bayrischen Rundfunks (BR) und der US-Investigativplattform ProPublica waren vergangenen Herbst weltweit auf zahlreiche unsicher konfigurierte Server mit personenbezogenen Patientendaten gestoßen. Insgesamt sollen 16 Millionen Datensätze von Patienten aus 50 Ländern betroffen gewesen sein, darunter Bilder von Brustkrebsscreenings, Wirbelsäulen- und Röntgenaufnahmen. In Deutschland ließen sich fünf Standorte mit unsicheren Servern feststellen, darunter eben auch Ingolstadt.

Die Datenpanne in der bayrischen Arztpraxis blieb nach Worten von Sachs und Petri ohne Folgen. Zwar lagen dort sensible Gesundheitsdaten von rund 7200 Patienten auf einem Server, der von außen zugänglich war. Sachs betonte aber, es seien keine Daten ins Internet transferiert worden, und es seien auch keine Daten über Google auffindbar gewesen. "Der normale Anwender weiß gar nicht, wie man an diese Daten überhaupt rankommen kann", sagte er. Und es gebe auch keine Anhaltspunkte, dass abseits des Recherchenetzwerks jemand auf die Daten zugegriffen oder Daten heruntergeladen habe. "Die sind nirgendwo aufgetaucht im Internet."

Einen schwerwiegenden strukturellen Mangel sehen Sachs und Petri in diesem Fall nicht. "Es war ein Versehen des einzelnen Arztes", sagte Sachs. "Der Arzt ist aus allen Wolken gefallen." Der Mediziner habe wohl "beim Setup den falschen Knopf gedrückt". Die Lücke sei dann sehr schnell geschlossen worden. Nach Angaben des Innenministeriums sah die zuständige Staatsanwaltschaft keine Straftat, und nach Angaben Petris wurde auch kein Bußgeld gegen den Arzt verhängt. Sanktionen gebe es nur bei schwerwiegenden systemischen Mängeln.

Sachs und Petri betonten, in den allermeisten Arztpraxen gebe es mit derartigen Servern überhaupt keine Probleme, weil diese hervorragend gesichert seien. Genauso gilt dies nach Darstellung der Datenschützer
für die meisten Krankenhäuser. In einem Fall habe es zwar tatsächlich eine medizinische Studie gegeben, die einen im Internet zugänglichen Server benutzt habe, sagte Petri. Aber auch hier gebe es keine Anhaltspunkte, dass Dritte auf die Daten zugegriffen hätten.

Vor allem Petri verwies aber auf Defizite beim Datenschutz in einzelnen Kliniken, die rasch behoben werden müssten. Bei zwei Kliniken musste Petri demnach – was außergewöhnlich ist – konkret anordnen, wie diese ihre IT-Sicherheit verbessern müssen. Um welche Klinken es konkret geht, wollte Petri auf Nachfrage nicht sagen.

Grundsätzlich kritisierte Petri, es gebe Kliniken im Freistaat, die zwar mehrere tausend Beschäftigte hätten, aber nur drei oder vier Personen in der IT-Administration. "Da herrscht Not, das kann nicht funktionieren auf Dauer, die fahren da wirklich auf Sicht." Die Vorsitzende des Rechtsausschusses, Petra Guttenberger (CSU) sagte dazu, es sollte zu denken geben, wenn Stadträte oder Gemeinderäte einzelne Krankenhäuser nicht mit genügend Geld ausstatteten. (Mit Material der dpa) / (axk)