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Bayerns Ministerpräsident für "heimische Inhalte" in den Medien

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Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat die deutschen Medien zu einem Engagement für "heimische Inhalte" aufgefordert. Der Standortfaktor Kultur sei in einer globalisierten Welt nicht hoch genug zu schätzen, sagte Stoiber am Mittwoch in der "1. Berliner Medienrede" der Evangelischen Kirche in Deutschland. "Integration gelingt nur dort, wo Identifikation möglich ist." Stoiber hob die Bedeutung deutscher Themen wie in den TV-Filmen "Die Luftbrücke" oder "Dresden" sowie der deutschen Sprache und Regionen hervor. Diese seien "Identitätsstifter". "Lieber den 'Bullen von Tölz' als den 'Cop aus Manhattan'", sagte Stoiber.

Im Zusammenhang mit dem Bieterrennen um Deutschlands größten TV-Konzern ProSiebenSat.1 mahnte Stoiber erneut faire Chancen für deutsche Medienunternehmen an. "Wir können es uns nicht leisten, deutschen Medienhäusern Investitionen am deutschen Markt zu verbieten, die ausländischen Investoren ohne weiteres möglich sind." Ziel müsse es sein, die richtige Balance zwischen internationaler Konkurrenzfähigkeit und einer funktionierenden Konzentrationskontrolle herzustellen. Der deutsche Medienkonzern Axel Springer war mit seinem Kauf der Sendergruppe am Kartellrecht gescheitert. Stoiber fragte in diesem Zusammenhang, ob es besser sei, wenn so genannte Heuschrecken (in Deutschland mittlerweile anscheinend offiziell eingeführter Begriff für Pivate-Equity-Investmentgesellschaften) das Unternehmen kauften.

Zwei Tage nach dem Amoklauf von Emsdetten bekräftigte Stoiber seine Forderung nach einer Kontrolle von brutalen Computerspielen. "Ich hoffe, dass wir jetzt endlich mal eine ernsthafte Diskussion bekommen", sagte er. In der Diskussion zur künftigen Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks plädierte Stoiber für "eine offene und vorurteilsfreie Prüfung" aller Gebührenmodelle. Die Kirchen forderte der Unionspolitiker auf, sich stärker einzumischen. "Der Beitrag der Kirchen zur Wertebildung ist unverzichtbar", betonte Stoiber. "Nur wenn wir eine feste Position beziehen, sind wir fähig zum Dialog mit den Muslimen", ergänzte er. Von Christen werde mehr Toleranz verlangt als von anderen Religionsgemeinschaften, monierte Stoiber. "Rücksichtnahme auf religiöse Gefühle kann aber nicht vom Drohpotenzial religiöser Fanatiker abhängen."

Bei der Berliner Medienrede soll es künftig jährlich am Buß- und Bettag in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt um mediale Zukunftsfragen gehen. (dpa) / (jk)