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Befreiungsschlag: AMDs neuer Sechskern-Prozessor

Das Innenleben des Phenom II X6 hat AMD im Wesentlichen vom Server-Prozessor Istanbul übernommen.

Unter 200 Euro soll AMDs brandneuer Prozessor Phenom II X6 1055T kosten und sechs echte Kerne bieten. Mit diesem Angebot will sich AMD aus der Billig-Ecke befreien. Den bislang schnellsten AMD-Prozessor Phenom II X4 965 hielt Intel mit dem Core i5-750 bequem bei der 160-Euro-Marke in Schach und blieb im weiten Bereich darüber unangefochten. Intel hat zwar mit dem Core i7-980X auch einen Sechskerner im Angebot, verlangt dafür aber mehr als 900 Euro.

Und noch an einer anderen Front zieht AMD nach: Bisher hatte nur Intel mit Turbo Boost einen Trick auf Lager, mit dem moderne Vielkernprozessoren auch alte Single-Thread-Software schnell ausführen. Dabei legen sich unbenutzte Kerne schlafen und die übrigen übernehmen deren thermisches Budget, um hochzutakten.

AMD nennt diese Übertaktungsautomatik allerdings nicht wie Intel "Turbo Boost" sondern "Turbo Core". Im Prozessornamen kündet ein angehängtes "T" von dieser Funktion. Während der Intel-Turbo aber je nach Zahl der schlummernden Kerne unterschiedlich hoch taktet, sieht AMD genau einen Schritt von 400 oder 500 MHz vor. Konkret bedeutet das beim schnellsten Phenom II X6 1090T, dass drei seiner Kerne mit 3,6 GHz statt mit den standardmäßigen 3,2 GHz laufen können.

Dieses neue CPU-Flaggschiff mit 125 Watt TDP taucht in Preissuchmaschinen derzeit für rund 300 Euro auf. Der nominell mit 2,8 GHz getaktete Phenom II X6 1055T (Turbo: 3,3 GHz) hingegen für weniger als 200 Euro. Noch nicht offiziell von AMD bestätigt, aber ebenfalls schon in den Suchmaschinen zu finden sind ein Phenom II X6 1035T (2,6 GHz), ein Phenom II X6 1075T (3,0 GHz) sowie eine 95-Watt-Version des Phenom II X6 1055T. Gemunkelt wird auch schon über einen Phenom II X4 960T mit 3,0 GHz Taktfrequenz, vier Kernen und Turbo Core. Angeblich sollen sich bei ihm zwei weitere Kerne freischalten lassen.

Ganz neu ist das Innenleben des Sechskerners alias "Thuban" nicht. Es stammt vom Serverprozessoren "Istanbul", den AMD seit Herbst 2009 als Opteron 2300 und 8300 liefert.

Auch wenn das Diagramm der SB850 einen IDE-Port verspricht, so sitzen auf den Mainboards bisher Zusatzchips für diesen alten Festplattenanschluss.

Zur Leo-Plattform, deren Namen AMD ursprünglich schon 2008 als Spider-Nachfolger ins Rennen werfen wollte, gehören auch die bereits im Herbst vorgestellten 5800er-Grafikkarten sowie neue Chipsätze. Die größte Neuerung dieser Serie 800 ist unauffällig: Die Schnittelle "A-Link Express III" zwischen Northbridge und Southbridge überträgt nun maximal 2 GByte/s und damit doppelt so viel wie ihre Vorgängerin. Die wäre für die sechs SATA-6G-Ports der Southbridge SB850 ein Flaschenhals.

Der 890GX und sein kleiner Bruder 880G bieten eine integrierte Grafikeinheit und können dieser Sideport-Speicher zur Seite stellen, während der 890FX und der 870 keinen Grafikkern haben.

In den CPU-intensiven Benchmark-Disziplinen setzt sich AMDs Sechskerner vor Intels Vierkerner Core i7-860 und i7-920, die per Hyper-Threading dem Betriebssystem insgesamt acht Kerne vorgaukeln.

Mehr zu den neuen AMD-Prozessoren und Chipsätzen finden Sie in der aktuellen sowie der kommenden Ausgabe von c't (10/10, 11/10).

(bbe)

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