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Begeisterung der Unternehmen für Second Life lässt nach

Second Life war gestern, lass uns zu Twitter gehen. Das ist, glaubt man zwei renommierten US-Zeitungen, der neue Trend beim Online-Marketing. Die Los Angeles Times (LAT) berichtet über den Rückzug der Marketing-Armee aus der virtuellen Welt, während das Wall Street Journal (WSJ) Messaging-Plattformen wie Twitter als neue Spielwiese für die Marketing-Strategen der großen TV-Sender ausruft.

Produkte erfolgreich zu verkaufen sei auf dem virtuellen Marktplatz Second Life ebenso schwierig wie im echten Leben, stellt die Westküsten-Times fest. Erste Firmen überdenken ihre Pläne für den neuen Vertriebskanal und lassen vereinsamte Repräsentanzen als Mahnmal ihrer Erfolglosigkeit zurück. Eine Hotelkette macht ihren virtuellen Laden dicht und spendet das zurückgelassene Grundstück einer gemeinnützigen Organisation. Auch die Filialen anderer Unternehmen – darunter Dell und Sun Microsystems – leiden unter dem Desinteresse der Second-Life-Einwohner, während sich die zahlreichen Rotlichtbezirke großer Beliebtheit erfreuen.

Ein Spezialist für Online-Marketing sagte der LAT, die am häufigsten in Second Life gehandelten Güter seien Genitalien, mit denen die Second-Life-Bürger ihre Avatare ausstatten. Auch Sex-Betten sind ein Renner und schon Gegenstand eines Plagiatsprozesses vor einem ganz realen Gericht. Abgesehen von einer gewissen Fixierung der Bewohner auf das Geschlechtliche sei aus Marketingsicht das eigentliche Problem die mangelnde Masse, schreibt die Zeitung weiter. Von den nach Angaben des Betreibers Linden Lab über 8,1 Millionen Bewohnern seien zu Stoßzeiten maximal 40.000 gleichzeitig online, erklärte ein Analyst von Forrester Research. Eine zu geringe Reichweite für die Werber. Keine Hilfe ist zudem, dass die Gesamtbevölkerung leicht schrumpft und auch die Umsätze in dem Paralleluniversum schwinden.

Während einige der Marketing-Gurus, die Unternehmen bei ihrem Auftritt in Second Life beraten, ihre Kunden inzwischen auch in andere Spielwelten bringen (darunter ist IBM, die auch Second Life treu bleiben wollen), versuchen sich die Verkaufsexperten der Fernsehbranche jetzt an neuen Plattformen wie Twitter. Das birgt auch Risiken. Fühlen sich die Twitter-Nutzer von den PR-Einsätzen belästigt, könnte das zum Exodus der Community führen. Oder die Marketing-Experten ziehen weiter zum nächsten Hype.

Ganz abgesehen davon, dass auch Twitter noch einen relativ kleinen Nutzerstamm hat. Nicht alle Web-2.0-Startups können so imposante Nutzerzahlen aufweisen wie Facebook, sein deutscher Klon StudiVZ oder Flickr. Und auch die müssen erst noch beweisen, wie sich mit einer so großen Community Geld verdienen lässt. (vbr)

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