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Behörden nicht netztauglich

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Das böse kleine "e" tut auch den Behörden nicht gut. Nach den peinlichen Misserfolgen der Wirtschaft heften sich nun Behörden den Buchstaben an und nennen ihre Netzangebote "E-Government". Wie die Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young nun im Auftrag der Europäischen Kommission ermittelt hat, sind die Möglichkeiten, lästige Behördengänge nur virtuell von zu Hause aus zu machen, jedoch immer noch zu beschränkt. Dies trifft allerdings nicht nur auf Deutschland, sondern die ganze EU zu. Nur die Irländer sind mit ihrer Netzbürokratie recht zufrieden.

Das schlechte Ergebnis kann jeder einfach nachvollziehen, der zum Beispiel Geburts- und Heiratsurkunden online beantragen, sich an einer Hochschule anmelden oder die Zulassungsstelle per Internet aufsuchen will, meinen die Unternehmensberater. Aufgrund beispielsweise der Behörden-Öffnungszeiten wünschen sich viele Bürger jedoch, solche Alltagsaufgaben abends nach der Arbeit am Rechner erledigen zu können.

Deutschlands Beamtenapparat bietet jedoch auch Lichtblicke für E-Demokraten: Die elektronischen Angebote zur Einkommenssteuererklärung, Zolldeklaration, Körperschaftssteuer, Einreichung statistischer Daten und Arbeitssuche erreichten in der Studie sehr gute Bewertungen. Dabei wurde allerdings auch "der Stand des technisch Machbaren" berücksichtigt. Besonders schlecht stehen die Online-Leistungen des Gesundheitswesens da, welche die Hitliste der Studie von hinten anführen. Auch nehmen europäische Behörden Unternehmen ernster als Arbeiternehmer: Der Netz-Service für Geschäftskunden sieht überall besser aus als der für Privatpersonen. Einzige Ausnahme bilden die Benelux-Staaten, in denen die Leistungen für die Bevölkerung besser umgesetzt sind.

Interessante Einblicke gewährt der europäische Vergleich in die Beweggründe der öffentlichen Hand für ihre Angebote: So schneiden Einnahmen versprechende Services im Vergleich besonders gut ab. Cap Gemini Ernst & Young sieht den Schlüssel zum eventuellen Erfolg darin, die vielen Behörden und staatlichen Stellen anständig zu koordinieren und die wuchernde Verwaltung abzuspecken. In Zukunft jedenfalls soll nach dem Willen der EU und ihrer eEurope-Initiative aber alles besser werden -- und damit man den Fortschritt auch sehen kann, soll die Studie alle sechs Monate erneuert werden. (cgl)