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Behördenfunk-Patchwork an Europas Grenzen

Der Osten ist bunt, zumindest aus der Sicht jener Behörden, die Grenzen sichern, Leben retten und den Verkehr lenken. Während sich Polen beim Kommunikationsystem der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) für ein Tetra-System entschieden hat, setzen die Nachbarn in Tschechien und der Slowakien auf Tetrapol. Im noch unentschiedenen Ungarn neigt man zu Tetra, während Rumänien unlängst im Beisein von Bundeskanzler Schröder sein Tetrapol-Netz gestartet hat. Das auf die EU hoffende Bulgarien sichert wiederum die umstrittene Grenze zur Türkei mit Tetra, mit dem auch die von Deutschland geschickten bulgarischen Patrouillenboote auf der schönen blauen Donau funken.

Auf der regionalen Tetrapol-Konferenz in Prag störte es niemanden: "Solange es sich um Digitalfunk dreht, ist das für uns überhaupt kein Problem, da gibt es Schnittstellen" erklärte Michael Meissner, beim Tetrapol-Lieferanten EADS Vizepräsident des Bereichs Defence and Security Systems. Medienbrüche, wie sie beim gemischten Einsatz von analgem und digitalen Funk vorkommen und den Betrieb von zwei Funkgeräten erzwingen, waren ein Thema der Tagung. So funkt die tschechische Berufsfeuerwehr mit Tetrapol digital, während die freiwillige Feuerwehr kein Geld hat, ihre rund 30.000 analogen Funkgeräte durch digitale zu ersetzen. Entsprechend gibt es in den Fahrzeugen der berufsmäßigen Feuerbekämpfer zwei Funkgeräte. In Deutschland soll der digitale Funk einheitlich für alle BOS angeschafft werden, von Polizei wie Feuerwehr (freiwillige inklusive) bis zu den Rettungsdiensten und dem Technischen Hilfswerk.

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Anlässlich der Einführung von Tetrapol in Rumänien war Meissner von rumänischen Medien mit der Aussage zitiert worden, dass die EU-Richtlinien eine Bestimmung enthalten, die Ausnahmen bei öffentlichen Ausschreibungen gestatten, wenn es um die Hoheitssicherheit eines Landes geht. Im rumänischen Kontext wurde spekuliert, dass es beim Milliardenvertrag mit EADS keine echte Ausschreibung gegeben haben soll. Im deutschen Kontext wurde spekuliert, ob EADS eine Abkürzung beim aufwendigen deutschen Instanzenweg sucht, in dem der BOS-Funk seit acht Jahren steckt. Das dementierte Meissner gegenüber heise online: "Es gibt einen solchen Passus im EU-Recht, auf den ich hingewiesen habe, mehr nicht. Die rumänischen Verträge sind geprüft und entsprechen den rumänischen Gesetzen. Sonst würde EADS, egal wie umfangreich der Vertrag ist, niemals einen solchen eingehen. Die Tetrapol-Installation macht übrigens nur ein Fünftel des gesamten Vertragswerkes aus."

In Deutschland geht die förderale Abstimmung weiter. Am 6. Dezember soll der Lenkungsausschuss der Innenminister zusammentreten und über die so genannte Qualifikationsphase der Ausschreibung beraten, in der der Ausschreibungsgegenstand eingegrenzt wird. Noch ist beispielsweise offen, ob das Betreibermodell und die eigentliche Technik getrennt ausgeschrieben werden müssen. Die eigentliche Ausschreinbung zum BOS-Funk wird dann vor der Sommerpause erwartet. EADS will mit seinem Tetrapol-System gegen die Tetra-Konkurrenz mehrerer Hersteller, darunter Motorola und Nokia, und gegen den BOS-Funk im GSM-ASCI-Standard (Vodafone) ein aggressives Angebot vorlegen. Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von Tetrapol soll dabei die Reichweite sein, die knapp über der des heutigen BOS-Analogfunks im 4-Meter-Band liegt. Sie soll es möglich machen, ein Digitalfunknetz mit annähernd denselben Standorten zu errichten, die bereits im analogen Netz existieren. Besonders im Küstenbereich verspricht sich EADS durch die Abdeckung der 12 Seemeilen-Zone mit Handfunkgeräten einen Vorteil. Der Handfunk-Rekord des Systems liegt bei 70 Kilometer -- gefunkt vom Helgoländer Oberland zu einem Silo im Husumer Außenhafen. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (tol)

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