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Belgien stuft Lootboxen in FIFA 18, Overwatch und CS:GO als Glücksspiel ein

Auch die belgische Gaming-Kommission hat Lootboxen in populären Videospielen geprüft. Drei von vier getesteten Titeln verstoßen gegen das Glücksspielgesetz, schließt die Kommission. Ausgerechnet Battlefront 2 kommt unbescholten davon.

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Belgien stuft Lootboxen in FIFA 18, Overwatch und CS:GO als Glücksspiel ein

Ein Screenshot aus Overwatch. Der Mehrspieler-Shooter von Blizzard ist eines der Spiele, die in Belgien gegen das Glücksspiel-Gesetz verstoßen.

(Bild: heise online)

Die Lootboxen in FIFA 18, Overwatch und Counter-Strike: Global Offensive verstoßen gegen das belgische Glücksspielgesetz. Zu diesem Schluss kommt die Gaming-Kommission Belgiens. Damit sind drei der vier getesteten Spiele problematisch. Ausgerechnet Star Wars Battlefront 2 – das Spiel, das die Lootbox-Debatte ins Rollen gebracht hatte – widerspricht dem Bericht der Kommission zufolge nicht dem belgischen Glücksspielgesetz: Zum Zeitpunkt der Überprüfung hatte Publisher EA die Mikrotransaktionen bereits aus dem Spiel entfernt. Mittlerweile sind sie in eingeschränkter Form zurück.

Lootboxen sind häufig kostenpflichtige Pakete mit zufälligen Zusatzinhalten für Videospiele. Sie können etwa neue Waffen oder Kostüme für die Spielfigur beinhalten. Problematisch sind Lootboxen besonders, weil die Inhalte im Voraus nicht absehbar sind. Wer also einen bestimmen Gegenstand möchte, muss möglicherweise dutzende digitale Kisten öffnen. Mehrere Staaten prüfen gerade, ob das dem Tatbestand des Glücksspiels entspricht. In der vergangenen Woche kamen etwa die Niederlande zu einem ähnlichen Ergebnis wie nun Belgien.

So sahen Lootboxen in Battlefront 2 aus, bevor EA auf die Kritik reagierte. Die Aufregung um Battlefront 2 hat die Lootbox-Debatte in die Politik gebracht.

(Bild: heise online)

Im Bericht der belgischen Gaming-Kommission verurteilt Justizminister Koen Geen Lootboxen: "Oft sind es Kinder, die mit solchen Systemen in Kontakt kommen. Das können wir nicht zulassen." Wegen Verstoßes gegen belgisches Glücksspielrecht drohen den Entwicklern der beanstandeten Videospiele theoretisch 800.000 Euro Bußgeld und eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Bei Beteiligung Minderjähriger könnte die Strafe noch weiter steigen.

Nach den Befunden des Ausschusses will Geen nun allerdings erst einmal einen Dialog mit den Entwicklern anstreben. Es soll eine Lösung gefunden werden, die sicherstellt, dass "sowohl Erwachsene wie auch Kinder nicht mit Glücksspiel konfrontiert werden, wenn sie in einem Videospiel Spaß haben wollen."

Die belgische Videospiele-Kommission schätzt an Lootboxen vor allem wegen der Ungewissheit kritisch ein. Spieler erwarten demnach, sich durch den Kauf von Lootboxen Vorteile verschaffen zu können. Aufgrund der zufälligen Inhalte sei das nicht immer der Fall. Problematisch seien auch "bekannte reale Menschen", die zum Kauf von Lootboxen ermutigen – damit dürften in erster Linie Youtuber gemeint sein, die auf ihren Kanälen Lootboxen öffnen und ihre Reaktionen filmen.

Die Prüfung der belgischen Videospiel-Kommission zeigt erneut, dass Lootboxen in Europa ernst genommen werden. Ein pauschales Verbot von Lootboxen ist zwar nicht in Aussicht, die Untersuchungen beschränken sich noch auf Einzelfälle. Die Signale an Publisher und Entwickler sind dennoch deutlich: Spiele mit Lootboxen sind auf dem Radar der Regulierer. Und wenn FIFA 18 und Overwatch problematisch sind, könnte es auch den zahlreichen vergleichbaren Titeln an den Kragen gehen.

Ob Videospiele mit Lootboxen gegen deutsches Glücksspielrecht verstoßen, ist weiterhin umstritten. Lootboxen können juristisch auch als Gewinnspiele verstanden werden, schreibt die USK, wie etwa wie der Kauf eines Loses auf dem Jahresmarkt. Die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten hat zumindest geprüft, ob Lootboxen gegen das Verbot von Kaufappellen an Kinder und Jugendliche verstoßen. Das Ergebnis: Es kommt auf den Einzelfall an. Beschwerden seien bisher nicht eingegangen, schreibt die KJM in ihrem Bericht. (dahe)

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