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Bericht: AOL-Schmalbandkunden verlassen Hansenet

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Im Zuge der Integration der von Hansenet übernommenen 950.000 AOL-Schmalbandnutzer treten offenbar folgenschwere Komplikationen auf. Welt online zitiert, einen Hansenet- und früheren AOL-Manager, laut dem viele Kunden, die per Modem ins Internet wollen, dort nicht mehr hineinkommen. Bei den umsatzstarken DSL-Kunden verlaufe hingegen alles ohne größere Probleme. Dahinter stecke Absicht oder zumindest erhebliche Nachlässigkeit. Der Migrationsprozess werde Ende Oktober abgeschlossen, doch seien bereits rund 250.000 AOL-Schmalbandkunden frustriert zur Konkurrenz abgewandert.

Im Herbst 2006 hatte die Hansenet-Mutter Telecom Italia das Zugangsgeschäft von AOL Deutschland für 665 Millionen Euro gekauft. Seit März dieses Jahres läuft die Integration der beiden Unternehmen. Die Kritiker, laut Bericht ehemalige AOL-Manager, führen die Probleme dabei weniger darauf zurück, dass mit AOL und dem ehemals öffentlichen Stadtnetzbetreiber Hansenet zwei sehr unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinanderstießen. Auch sei ihres Erachtens nicht in erster Linie Hansenet-Chef Harald Rösch verantwortlich. Rösch habe zwar Handlungsspielräume, er führe aber im Wesentlichen Weisungen aus Mailand aus.

Telecom Italia, die vor vier Jahren bei Hansenet eingestiegen ist, werde im eigenen Land streng reguliert. Dafür agiere der Konzern im Ausland umso ruppiger, sagte ein Hansenet-Mitarbeiter. Dort, wo der DSL-Anbieter noch kein eigenes Netz gebaut hat, telefonieren die Kunden via VoIP. Die dafür eingesetzte Plattform Itatel, die Hansenet von Telecom Italia übernehmen musste, sei aber störanfällig. Die nach Meinung von ehemaligen AOL-Managern Itatel überlegene AOL-Technik werde aber nicht eingesetzt. Im Rostocker Hansenet-Callcenter verdienten die 650 Mitarbeiter 1200 Euro brutto im Monat und hätten Verträge unterschreiben müssen, nach denen die gesetzlichen Feiertage auf den Urlaubsanspruch von 24 Tagen angerechnet würden. In den alten AOL-Callcentern Duisburg und Saarbrücken herrschten bessere Konditionen. Die 1200 Mitarbeiter dort befürchteten aber, dass ihre Gehälter nun gedrückt oder die Callcenter geschlossen werden. (anw)

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