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Bericht: Amazon lässt im Streit mit Musikindustrie die Muskeln spielen

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Die deutsche Musikindustrie hat sich einem Bericht des Spiegel zufolge ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft mit dem Online-Händler Amazon angelegt. Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, sollen die großen Label SonyBMG, Warner Music, Universal Music und EMI den umsatzstarken Internethändler abgemahnt haben, weil dieser auch Import-CDs im Angebot hatte, die billiger waren als die offiziellen europäischen Releases. Amazon soll die Beschwerde zu einer kleinen Machtdemonstration genutzt haben: Zwar nahm der Händler die beanstandeten Titel aus dem Angebot, aber auch zahlreiche von der Industrie nicht beanstandete EU-Versionen.

Damit seien für ein paar Tage nahezu alle Top-100-Titel von SonyBMG und Warner sowie zahlreiche CDs von Universal und EMI nicht bei Amazon erhältlich gewesen. Wenn Celine Dion, Amy Winehouse, James Blunt und andere prominente Kollegen (der Spiegel nennt noch Mark Medlock) bei Amazon ausgelistet werden, dürfte sich das direkt auf die Verkaufszahlen der Branche auswirken – zumal Amazon eine der ersten Anlaufstellen für Weihnachtsgeschenke ist und CDs nach Büchern auf deutschen Wunschzetteln ganz oben stehen. Die Aktion findet in der Industrie offenbar auch nicht nur Zustimmung. "Wie es passieren konnte, sich ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft mit Amazon anzulegen, ist völlig rätselhaft", zitiert der Spiegel einen Top-Manager der Industrie.

Erst nach einem Krisengespräch zwischen Musikindustrie und Amazon nahm das Online-Kaufhaus die betroffenen CDs wieder ins Angebot; die von den Plattenfirmen als illegal angesehenen Importe bleiben weiter ausgelistet. Vom Tisch ist die Angelegenheit damit allerdings nicht. "Das ist nur ein Waffenstillstand, die Kuh ist noch lange nicht vom Eis", sagte ein anderer Manager dem Nachrichtenmagazin. Bei den betroffenen Unternehmen war am heutigen Freitag niemand zu erreichen, der eine Stellungnahme abgeben konnte. Bei Amazon hieß es auf Anfrage von heise online nur: "Kein Kommentar".

Das Verhältnis von Amazon und der Musikindustrie ist nicht frei von Spannungen. Der Online-Versender ist einer der wichtigsten Absatzkanäle für Musik im klassischen CD-Format. Gleichzeitig bietet Amazon in den USA seit vergangenem September auch Musikdownloads im kopierschutzfreien MP3-Format an und plant ein solches Angebot auch in Deutschland. Andere große US-Händler wie Wal-Mart sind ebenfalls mit einem MP3-Shop am Markt. Dadurch steigt der Druck auf die Industrie, ihre Musik in dem passenden Format anzubieten und von der bisher strikt verfolgten DRM-Strategie abzuweichen. Das zeigt Wirkung. Zuletzt hatte Edgar Bronfman, Chef des zur letzten Bastion der DRM-Befürworter gehörenden Majors Warner Music, eingestanden: "Wir lagen falsch." (vbr)