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Bericht: Französischer Geheimdienst hört das Internet massiv ab

Seit 2008 soll der französische Auslandsgeheimdienst DGSE auf Geheiß von Nicolas Sarkozy mindestens fünf große Unterseekabel mithilfe von Orange und Alcatel-Lucent anzapfen. François Hollande habe das Programm erweitert.

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François Hollande

(Bild: elysee.fr)

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Kurz nach den Wikileaks-Enthüllungen, wonach die NSA die französische Regierung im großen Stil ausspioniert hat, berichtet der L'Observateur von umfangreichen Spähaktionen Frankreichs. Demnach autorisierte der damalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy 2008 den französischen Geheimdienst DGSE, die internationale Telekommunikation über die Unterseekabel abzugreifen, die die "Grande Nation" mit dem Rest der Welt übers Internet verbinden.

Ein erstes Abhörprogramm soll sich über fünf Jahre erstreckt haben und mit 700 Millionen Euro ausgerüstet gewesen sein. Mit dem Budget hat die Direction Générale de la Sécurité Extérieure laut der Zeitung, die sich auf anonyme Berichte aktueller und früherer Behörden- und Regierungsmitarbeiter beruft, Lauschposten an den Endpunkten der Glasfaserkabel unter anderem in Marseille, Penmarch und Saint-Valéry-en-Caux aufgebaut.

Mindestens fünf anlandende Stränge sollen bis 2013 mit der Hilfe des Betreibers Orange und des Netzwerkausrüsters Alcatel-Lucent angezapft worden sein. Die Rede ist etwa von der Leitung TAT14 in Richtung USA, der nach Indien gehende I-Me We, Sea-Me-We 4 nach Südostasien und der Westafrika-Verbindung ACE. Das frühere Staatsunternehmen Orange wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Von Alcatel-Lucent hieß es, dass Telekommunikationsanbieter Ausrüster immer wieder in Beschlag nähmen, um staatlichen Abhörverpflichtungen nachzukommen.

Die Operation soll teils in Kooperation mit dem britischen Partnerdienst GCHQ erfolgt sein, der laut den Snowden-Enthüllungen ebenfalls an vielen Unterseekabeln mithört. Im November 2010 habe Sarkozy dazu eine Kooperation mit dem britischen Premierminister David Cameron im Rahmen eines Geheimvertrags besiegelt. An ersten Besprechungen für das Programm seien unter anderem der französische Ex-Premierminister François Fillon und DGSE-Chef Pierre Brochand beteiligt gewesen.

Dem Bericht zufolge hat der jetzige Staatschef François Hollande die Operation nicht nur fortgesetzt, sondern sie mit einem neuen, bis 2019 gehenden Fünfjahresplan sogar erweitert. Mit dem jüngst vom Gesetzgeber beschlossenen Gesetz zur Geheimdienstreform solle der Deal nachträglich legalisiert werden. Damit erkläre sich auch die vergleichbar moderate Reaktion des Elysée auf die neuen Wikileaks-Enthüllungen. (anw)