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Bericht: Großaktionär Permira will Freenet-Chef Spoerr stürzen

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Freenet-Chef Eckhard Spoerr ist ein Stehaufmännchen. Der umstrittene Manager hat sich gegen Rivalen immer wieder durchsetzen können und sich allen Widrigkeiten zum Trotz an der Spitze des Internetanbieters gehalten. Doch könnte es nun wirklich eng werden für den Teflon-Mann: Einem Bericht des Handelsblatts zufolge betreibt Großaktionär Permira die Ablösung des Vorstandsvorsitzenden und des Aufsichtsratschefs.

Permira sei "richtig sauer", schreibt das Handelsblatt unter Berufung auf Quellen aus Kreisen des Investors, der durch den Verkauf der Debitel mit 25 Prozent an Freenet beteiligt ist. Der Hauptaktionär suche derzeit "mit Hochdruck" nach geeigneten Kandidaten für die Chefsessel in Vorstand und Aufsichtsrat. Sobald die gefunden seien, wolle Permira eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und auch die Absetzung des Aufsichtsrats verlangen.

Das Kontrollgremium unter Vorsitz des ehemalige RTL-Chefs Helmut Thoma habe trotz schlechter Ergebnisse an Spoerr festgehalten. Die Aktie des Unternehmens sei auf Talfahrt. Freenet sitze nach der Übernahme des Wettbewerbers Debitel auf einem Schuldenberg. Zudem finde sich offenbar kein Abnehmer für das zum Verkauf stehende DSL-Geschäft. Freenet will sich nach der Fusion mit Mobilcom künftig auf den Mobilfunkbereich konzentrieren.

Spoerr soll sich dem Bericht zufolge den Empfehlungen des Großaktionärs widersetzt haben. So habe Permira für die Integration von Debitel, bei der es nun Probleme gebe, auf Oliver Steil gesetzt. Dem Debitel-Chef waren zwischenzeitlich auch Chancen auf Spoerrs Posten eingeräumt worden, doch hatte sich der Freenet-Boss gegen den Konkurrenten durchsetzen können und Steil nach Meinung von Beobachtern aus dem Unternehmen gedrängt.

Auch der von Permira geforderte schnelle Verkauf des DSL-Geschäfts kommt nicht voran. Der Aufsichtsrat will Spoerr dafür und für die Integration des Unternehmens noch bis kommenden Mai Zeit geben. Interessenten für die DSL-Sparte dürfte es nicht mehr allzu viele geben, auch wenn Thoma noch von mehreren spricht. United Internet, lange Zeit einer der Kandidaten, hat inzwischen offiziell abgewinkt. Die 1&1-Mutter ist selbst mit 26 Prozent an Freenet beteiligt.

Thoma hält einen neuen Versuch, den Aufsichtsrat auf einer außerordentlichen Hauptversammlung abzuwählen, für rechtlich schwierig. Im Sommer hatten Drillisch und United Internet bereits vergeblich versucht, Spoerr und den Aufsichtsrat zu entmachten und hatten nicht die nötige Aktionärsmehrheit auf ihre Seite bringen können.

Sollte United einen von Permira angezettelten Aktionärsaufstand auf einer Hauptversammlung unterstützen, wird es noch einmal spannend. Zusammen halten die Unternehmen die Mehrheit an Freenet. Und das Verhältnis von United-Chef Ralph Dommermuth und Spoerr kann man nicht als freundschaftlich bezeichnen. (vbr)