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Bericht: Musikindustrie und Apple verhandeln neue Preismodelle

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Führende Musikkonzerne verhandeln nach einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) mit Apple über ein neues Geschäftsmodell für den Online-Musikvertrieb. Danach gibt es Überlegungen, Käufern von Apple-Produkten wie dem iPod oder dem iPhone gegen einen substanziellen Aufpreis unbegrenzten Zugriff auf den gesamten iTunes-Katalog zu gewähren. Darüber hinaus werde über ein monatlich zahlbares Musikabonnement für das iPhone gesprochen. Noch nicht einig sind sich Apple und die Musikbranche über das liebe Geld. Etwa 20 US-Dollar wolle Apple für die Musikflatrate an die Musikkonzerne abführen, berichtet die FTD unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Kreise.

Nokia plant ein ähnliches Angebot, will den Angaben zufolge dafür aber rund 80 US-Dollar abgeben. Käufer eines Nokia-Handys sollen künftig für ein Jahr auf einen Musikkatalog zugreifen können, dabei fallen allerdings je nach Vertrag Kosten für den Datenverkehr beim Download an. Bisher ist sich Nokia darüber mit dem Major Universal einig und sucht weitere Partner.

Eine andere Variante, die laut FTD derzeit besprochen werde, ist ein monatliches Musikabonnement. Für etwa sieben oder acht US-Dollar sollen Kunden so viel Musik anhören können, wie sie wünschen, allerdings nur eine bestimmte Anzahl von Songs dauerhaft herunterladen können. Dieses Angebot käme jedoch nur für das iPhone in Frage, weil die Gebühren über die Telefonrechnung abgerechnet werden könnten. Digitales Rechtemanagement (DRM) soll verhindern, dass die Musik nach Ablauf von Abonnement oder Flatrate noch angehört werden kann.

Die Musikindustrie arbeitet nach Jahren des Winterschlafs derzeit mit Hochdruck daran, zusammen mit Internetanbietern und Hardwareherstellern neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. So sollen auch mit Sony Ericsson Gespräche über neue Vermarktungsmöglichkeiten laufen, heißt es dazu in der FTD. Andere Unternehmen versuchen ebenfalls sich auf dem Markt zu etablieren und etwa Musikangebote in die Tarife der Netzbetreiber zu integrieren. Auch die Mobilfunkanbieter beanspruchen ein Stück vom Musikkuchen, was zu Konflikten mit den Handyherstellern führt.

Mit Apple gestalten sich die Gespräche auch nicht immer einfach. Das Verhältnis des iTunes-Pioniers und der Musikbranche ist gespannt. Zwar läuft ein ordentlicher Batzen der weltweit online verkauften Musik über iTunes, die auf den Einheitspreis von 99 Cent pro Stück gerichtete Preispolitik des Anbieters ist den Labels allerdings ein Dorn im Auge, sie wünschen sich mehr Flexibilität. Auch gibt es in der Branche Überlegungen, dem Online-Marktführer iTunes mit eigenen Angeboten Konkurrenz zu machen.

Darüber hinaus hatte sich Apple-Chef Steve Jobs in der Vergangenheit stets gegen Abo-Modelle ausgesprochen und darauf verwiesen, dass Anbieter wie Napster damit nur einen sehr begrenzten Erfolg am Markt hätten. Das Abo-Modell hat aus Kundensicht den wesentlichen Nachteil, dass die Musik nur gemietet wird. Läuft das Abo aus, wacht das DRM darüber, dass die Musik unbrauchbar wird. Das digitale Rechtemanagement gilt wegen der strikten Nutzungsbeschränkungen, die es Verbrauchern auferlegt, als einer der größten Hemmschuhe für den Online-Verkauf. Während sich die Branche – wenn auch etwas zögerlich – beim Download vom DRM zunehmend verabschiedet, sind Abo-Modelle ohne regulierendes System kaum denkbar. (vbr)