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Bericht: NSA finanziert heimlich den britischen GCHQ

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Die NSA soll dem britischen Nachrichtendienst GCHQ (Government Communications Headquarters) in den vergangenen drei Jahren heimlich mindestens 100 Millionen Pfund bezahlt haben, um Einfluss auf die britischen Programme zur Informationsbeschaffung ausüben zu können. Das berichtet der britische Guardian am heutigen Donnerstag unter Berufung auf neue Dokumente, die von Whistleblower Edward Snowden stammen sollen. Demnach soll der US-Geheimdienst unter anderem 17,2 Millionen Pfund (26 Millionen Euro) für das Programm zum "Beherrschen des Internets" beigesteuert haben.

Die Briten hätten ihre US-Kollegen bei Laune halten wollen, um den Zugang zu US-Informationen und Mitteln nicht zu verlieren. Dabei habe der Geheimdienst auf die vergleichsweise lasche Regulierung in Großbritannien als "Verkaufsargument" gesetzt, berichtet die Zeitung weiter. Die flexiblen britischen Gesetze erlaubten etwa das Abgreifen der Daten an Transatlantikkabeln.

GCHQ habe sich unter anderem damit gebrüstet, einen wertvollen Beitrag bei Ermittlungen gegen einen US-Bürger geleistet zu haben, der für einen Attentatsversuch in New York verantwortlich gemacht wurde. Das werfe die Frage auf, ob die Briten für die Amerikaner einen US-Bürger in den USA überwacht haben, was der NSA gesetzlich verboten ist. Bislang weist die britische Regierung Vorwürfe zurück, die "Drecksarbeit" für die NSA zu erledigen.

Weiter geht laut Guardian aus den Dokumenten hervor, dass GCHQ verstärkt in die Informationsgewinnung von Mobiltelefonen und Smartphone-Anwendungen investiert habe. Ein erklärtes Ziel sei es deshalb Daten von "jedem Telefon, überall und zu jeder Zeit" abschöpfen zu können. Die Masse der aus Internet und Mobilfunk gewonnenen Daten habe seit 2008 – dem Jahr aus dem die Folien zu XKeyScore stammen – um 7000 Prozent zugenommen. Trotzdem scheine aber noch immer 60 Prozent aller aufbereiteten nachrichtendienstlichen Informationen von der NSA zu kommen, schreibt die Zeitung weiter.

Die NSA habe den Briten außerdem 15,5 Millionen Pfund (23, 5 Millionen Euro) gezahlt, um den GCHQ-Standort in der Küstenstadt Bude zu sanieren. Die Süddeutsche Zeitung und der NDR hatten berichtet, der Geheimdienst fange an diesem Standort deutsche Internet- und Telefondaten ab, die durch das Glasfaserkabel TAT-14 fließen.

Etwas abseitiger wirken andere Enthüllungen, die die Zeitung diesen jüngsten Dokumenten entnimmt. So gebe es im GCHQ sogar eine "paranormale Organisation", die sich selbst als die "Geisterjägertruppe des GCHQ" bezeichnen. Sie stehe Mitarbeitern für Besuche zu angeblichen Geisterhäusern offen. Außerdem gebe es eine interne Kommunikationsplattform im Stile von Myspace, die Spyspace genannt wird. (mho)

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