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Bericht: NSA und GCHQ hören Datenverkehr deutscher Provider ab

Laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel sollen die Geheimdienste aus den USA und Großbritannien über direkte Einstiegspunkte bei der Telekom und Netcologne den Datenverkehr abhören.

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Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel mit Berufung auf Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden berichtet, arbeiten der US-Geheimdienst NSA und der britische Geheimdienst GCHQ an einer Echtzeitkartografierung des Internet. Unterlagen zum Programm "Treasure Map" würden demnach mehrere deutsche Internetprovider zeigen, zu denen sich die ausländischen Geheimdienste direkten Zugang verschafft haben. Explizit genannt werden in dem Bericht Server-Zentren der Telekom, von Netcologne, Stellar, Cetel und IABG, die auf einer Karte mit roten Punkten markiert seien. Unterlagen des GCHQ würden zudem Mitarbeiternamen von Stellar sowie Zugangspasswörter von Stellar-Kunden auflisten.

Wie lange NSA und GCHQ bereits an der "Treasure Map" arbeiten, geht aus den Snowden-Dokumenten nicht hervor. Sie sind undatiert.

(Bild: dpa, Glenn Grennwald / Laura Poitras)

Ziel von "Treasure Map" sei es, das gesamte Internet zu kartografieren. Das System soll nicht nur Netzwerkverbindungen und Router in Echtzeit visualisieren, sondern auch Endgeräte wie Rechner und Smartphones. Die Geheimdienste wollen damit jedes mit dem Internet verbundene Gerät jederzeit und überall sichtbar machen. Treasure Map solle sowohl Netzwerkspionage als auch die "Planung von Computerattacken" ermöglichen.

Stellar IT-Chef Ali Fares bestätigte indirekt die Echtheit der dem Spiegel zugespielten Unterlagen, die seiner Aussage nach "Geschäftsgeheimnisse und sensible Informationen" enthielten. Telekom und Netcologne hätten bereits Nachforschungen nach Zugangspunkten getätigt, bislang aber nichts verdächtiges gefunden. Einig sind sich die betroffen Unternehmen, dass eine solche Abhöraktion von NSA und GCHQ nach deutschen Recht illegal ist. "Der Zugriff ausländischer Geheimdienste auf unser Netz wäre völlig inakzeptabel", sagte der Sicherheitschef der Telekom Thomas Tscherisch. Sein Unternehmen gehe allen Hinweisen auf Manipulationen nach und habe die deutschen Sicherheitsbehörden eingeschaltet. Auch Stellar-Geschäftsführer Christian Steffen erklärte: "Ein solcher Cyberangriff ist nach deutschem Recht eindeutig strafbar." (hag)

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