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Bericht: US-Regierung erwog Cyberwar gegen Libyen

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Für den Kampf gegen das Regime des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi hat die US-Regierung im Frühjahr auch den Einsatz informationstechnischer Mittel erwogen. Letztlich habe sie sich gegen einen "Cyberwar" entschieden, berichtet die New York Times unter Berufung auf eingeweihte Personen, die anonym bleiben wollten. Die libyschen Firewalls zu überwinden, um die Luftabwehr zu schwächen, hätte ein schlechtes Vorbild für andere Länder abgegeben – insbesondere Russland und China. Auch sei fraglich gewesen, ob US-Präsident Barack Obama einen "virtuellen Angriffsschlag" befehlen darf, ohne das US-Parlament zu unterrichten.

Die US-Militärberater hätten während der Planung des Einsatzes in Libyen konkret erwogen, in die libyschen Kommunikationsnetze einzudringen, heißt es in de Bericht. Damit hätten insbesondere die daran angeschlossenen Radaranlagen und so die Raketenflugabwehr gestört werden können, um die Gefahr für die NATO-Streitkräfte zu verringern. Welche Mittel dabei in Betracht gezogen wurden, wird nicht berichtet. Das nordatlantische Militärbündnis übernahm schließlich Ende März dieses Jahres das Kommando des internationalen Einsatzes gegen das Gaddafi-Regime.

Die Diskussion über den möglichen Einsatz von Computertechnik zur Vorbereitung eines Angriffes war erneut aufgekommen, bevor Anfang Mai ein US-amerikanisches Navy-Seal-Kommando Osama bin Laden in Pakistan tötete. Dabei sei es laut dem Bericht darum gegangen, das pakistanische Radar unwirksam zu machen. Stattdessen seien aber speziell ausgerüstete Helikopter vom Typ Black Hawk eingesetzt worden. Laut James Andrew Lewis vom Center for Strategic and International Studies wollten die USA nicht die ersten sein, die offiziell Cyberwar-Instrumente einsetzen und damit einen Dammbruch herbeiführen.

Die USA müssten sich dabei wohl auch an selbst gesetzten Maßstäben messen lassen. Im Mai hieß es aus dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium, dass es schwere Hackerangriffe aus dem Ausland als Kriegshandlung einstufen würde, die auch Gegenschläge mit konventionellen Waffen erforderlich machen könnten. Eine im Juli vorgelegte Verteidigungsstrategie für den Cyberwar ging darauf nicht ein; auch nicht auf die Möglichkeit, offensive Cyberkriege gegen Feinde zu führen. Um Cyberwar in Libyen ging es in E-Mails des Chefs eines US-amerikanischen Sicherheitsunternehmens, die von der Hackergruppe LulzSec veröffentlicht wurden. Sie veranschaulichen, wie US-amerikanische Softwarefirmen bei Behörden um Aufträge buhlen. (anw)