Bericht: US-Spionageangriff auf Rüstungskonzern EADS

2011 sollen US-Angreifer Schnüffelsoftware auf Rechner des europäischen Konzerns EADS gebracht haben. Ihre Spur sei aber im Sande verlaufen. Der US-Geheimdienst NSA soll allerdings schon früher Interesse an den Geschäften des Konzerns gezeigt haben.

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Daten-Überwachung soll ausgeweitet werden

(Bild: dpa, Jochen Lübke)

Von
  • Axel Kannenberg

Der europäische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS soll 2011 Ziel einer Spionageattacke aus den USA gewesen sein. Das berichtet die Bild am Sonntag unter Berufung auf ein vertrauliches Schreiben des BND an den Verfassungsschutz vom November 2011, das der Zeitung vorliegen solle. Demnach solle der BND von einem nicht-genannten ausländischen Geheimdienst Informationen über einen Angriff auf EADS Deutschland erhalten habe.

Dem Bericht zufolge gelang es den Angreifern am 2. November 2011, Schnüffel-Programme auf den Rechner des Unternehmens unterzubringen. Binnen drei Stunden seien so 5116 Verbindungen zwischen EADS-Computern und den US-Angreifern hergestellt worden sein. Die Spur zu den Drahtziehern habe zu kurzzeitig gemieteten Servern nahe Los Angeles geführt und sich dann im Sande verlaufen. Der BND vermute einen wirtschaftlichen Hintergrund.

Der Rüstungskonzern EADS, der seit Anfang 2014 unter dem Namen seines Tochterunternehmens Airbus firmiert, gilt auch im aktuellen Skandal um die Kooperation zwischen dem BND und der NSA als eines der Ziele in den sogenannten "Selektoren“. Ende April war bekannt geworden, dass der BND auf Betreiben der NSA am Horchposten in Bad Aibling und beim Projekt Eikonal in Frankfurt Millionen dieser Suchbegriffe in sein Überwachungsnetz einspeiste. Darunter befanden sich auffällige Begriffe wie EADS oder Eurocopter sowie für französische Behörden. Auch der deutsche Konzern Siemens könnte zu den Zielen gehört haben.

Von der Bundesregierung wird eine auf Wirtschaft ausgerichtete Spionage der USA allerdings bestritten. So erklärte etwa Innenminister Thomas de Maizière vorm NSA-Untersuchungsausschuss, es gebe nach wie vor keinerlei Hinweise, dass der US-Dienst Betriebe ausspähe, um den Unternehmen des Landes Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Allerdings bestritt der Minister auch nicht, dass Unternehmen von US-Seite beobachtet würden.

Laut Bild habe die NSA bereits früher versucht, EADS auszuspionieren: Im Jahre 2005 erregte Sicherheitskreisen zufolge ein Auftrag für eine Grenzsicherungsanlage in Saudi Arabien das Interesse des US-Geheimdienstes. Abhörversuche seien allerdings vom BND entdeckt und gestoppt worden.

Darüber hinaus berichtet die Bild auch über NSA-Bespitzelungen des Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD), die offenbar nach Ende seiner Amtszeit intensiviert wurden. Schröders Wechsel in die Energiewirtschaft, seine Tätigkeit für das Pipeline-Projekt Nordstream sowie seine Freundschaft zum russischen Premier Vladimir Putin sollen ihn laut Bericht zum lohnenden Ziel gemacht haben. Laut einer kürzlichen Wikileaks-Enthüllung sollen die Bundeskanzlerin Angela Merkel und auch die Regierungen ihrer Vorgänger Schröder und Helmut Kohl (CDU) von der NSA bespitzelt worden sein. (axk)