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Bericht: Zweifel an der Unschuld von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld

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Der noch amtierende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld könnte in der Schmiergeldaffäre des Konzerns doch nicht so unbeteiligt gewesen sein, wie er noch vor wenigen Tagen bei der Ankündigung seines Rückzugs behauptet hatte. Laut einer Vorabmeldung zum morgen erscheinenden Spiegel existiert in den Ermittlungsunterlagen der Münchner Staatsanwaltschaft eine an Kleinfeld gerichtete E-Mail, die ein Beleg dafür sein könnte, dass dieser doch über Schmiergeldzahlungen in seinem Konzern unterrichtet war. Im April 2004 habe ein Bereichsvorstand unter dem Betreff Saudi-Arabien über einen Streit mit einem saudi-arabischen Vermittler berichtet. Nachdem Siemens die Verträge mit diesem gekündigt habe, hätte dieser mit "einer Verschärfung der Gangart" gedroht, soll es in der E-Mail weiter heißen.

Der Bereichsvorstand hatte laut Spiegel gegenüber der Münchner Staatsanwaltschaft erklärt, der Saudi habe Unterlagen über vermeintliche Schmiergeldzahlungen an die US-Börsenaufsicht SEC weiterleiten wollen, wenn Siemens ihm nicht einen dreistelligen Millionenbetrag zahle. Tatsächlich soll der Geschäftsvermittler Anfang 2005 statt der intern von Siemens errechneten 17 Millionen Dollar stattliche 50 Millionen Dollar ausbezahlt bekommen haben. Laut Bericht bestreitet Siemens jedoch, dass es sich dabei um Schweigegeld gehandelt habe.

Obwohl die Ermittlungen noch laufen, soll das Ausscheiden von zwei weiteren Top-Managern laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung bereits feststehen. Die in diesem Jahr auslaufenden Verträge der Zentralvorstände Jürgen Radomski und Johannes Feldmayer sollen nicht verlängert werden. Der seit seiner Verhaftung im März beurlaubte frühere Europachef Feldmayer soll in die Affäre um die verdeckte Finanzierung der Arbeitnehmer-Organisation AUB verwickelt sein. Radomski ist als Personalvorstand bei Siemens unter anderem für die Anti-Korruptionseinheit Compliance zuständig, die bei der Aufklärung von Schmiergelddelikten nicht korrekt gearbeitet haben soll. Im Aufsichtsrat soll es Einvernehmen über die Trennung von den beiden geben. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende, Gerhard Cromme, wollte diese Personalien gegenüber der Süddeutschen Zeitung nicht kommentieren.

Insgesamt scheint auch Cromme die Affäre noch lange nicht als ausgestanden zu betrachten. Unabhängig von der aus Sicht des Konzerns bereits erfolgreichen strategische Neuausrichtung werden wegen der Schmiergeldaffäre nicht nur beteiligte Führungskräfte ihren Sessel räumen müssen. Der Siemens-Aufsichtsrat soll laut Spiegel-Vorabbericht auch eine Umstrukturierung und Verkleinerung der Holding erwägen. In Andeutungen gegenüber Vertrauten habe Cromme über einen grundsätzlichen Umbau der vielfach belasteten Führungsstruktur nachgedacht: Entweder habe man in der Holding von den Korruptionsvorwürfen nichts mitbekommen – dann brauche man die Führungsspitze gar nicht. Oder die Holding habe Bescheid gewusst, dann habe sie sich selbst überflüssig gemacht. Offenkundig denke der Siemens-Aufsichtsrat darüber nach, künftig einen kleineren Vorstand zu installieren, unter dem dann die einzelnen Konzernsparten in größerer Selbständigkeit ihre Geschäfte tätigen könnten. (anm)