Menü

Berlin: Gewerkschaft der Polizei räumt Datenpanne ein

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 138 Beiträge
Von

Während halb Deutschland bangt, welche Konsequenzen der Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten bei der Telekom-Tochter T-Mobile für jeden Einzelnen haben könnte, muss der Berliner Landesbezirk der Gewerkschaft der Polizei (GdP) einen eigenen GAU beim Umgang mit sensiblen Informationen einräumen. Anfang September hatte die Polizeigewerkschaft – wie zuvor in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen auch – damit begonnen, ihren 14.000 Berliner Mitgliedern kostenlos Handys zur Verfügung zu stellen, damit diese im Dienst nicht mehr ihre privaten Geräte nutzen müssen. Mit dem sogenannten GdP-Phone können die Nutzer im E-Plus-Netz untereinander und mit allen Berliner Dienststellen der Polizei, der Feuerwehr, des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) und der Bezirksämter kostenfrei telefonieren.

Da aber nun nicht jeder Polizist die Nummern sämtlicher Berliner GdP-Kollegen kennen kann, stellte der Landesbezirk kurzerhand eine Liste mit allen Telefonnummern, Namen und Dienststellen in den geschlossenen Mitgliederbereich der Gewerkschafts-Webseite. Allerdings kursierte diese interne Liste bereits kurze Zeit später frei im Internet – wer dafür verantwortlich ist, konnte bislang nicht nachvollzogen werden. Da in der Liste auch Beamte aufgeführt sind, die im Bereich der Organisierten Kriminalität oder bei Spezialeinsatzkommandos tätig sind, stehen nun Befürchtungen im Raum, Kriminelle könnten diese Informationen nutzen, um einzelne Personen zu bedrohen oder bestimmte Handys orten zu lassen. Aus der "erheblichen Arbeitserleichterung" durch das GdP-Phone ist womöglich ein ernstes Problem geworden.

"Datenpanne bei Polizeihandys. Jedes Schwein ruft mich an", titelte bereits die taz und zitiert den Grünen-Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus, Benedikt Lux, mit den Worten, dass so etwas "gerade einer Gewerkschaft aus Polizisten nicht passieren darf". Die GdP weist Kritik an dem Daten-Skandal unterdessen von sich. "Wir haben die Telefonliste nicht ins Netz gestellt. Sie war ursprünglich nur in einem geschützten Bereich lediglich Mitgliedern zugänglich", erklärte GdP-Landeschef Eberhard Schönberg gegenüber dem Tagesspiegel. Er könne nichts dafür, wenn "irgendjemand die Liste dann ins Internet stellt". Reagieren musste die GdP aber dennoch: Wer sich bedroht fühlt, weil die Liste nun schon kursierte, soll laut Schönberg eine neue Nummer bekommen, die nicht veröffentlicht wird. (pmz)