Berlin: Senioren entwickeln digitalen Briefkasten

Gemeinsam mit Doktoranden der Universität der Künste entwickeln Anwohner der Hochhaussiedlung Fischerinsel eine neue Plattform, die analoge und digitale Kommunikationsmöglichkeiten verbinden soll.

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Mehr vernetztes Miteinander soll ein neuartiges Nachbarschaftsprojekt für Bewohner der Fischerinsel in Berlin Mitte bringen. Gemeinsam mit Doktoranden der Universität der Künste (UdK Design Research Lab) entwickeln Mitglieder des Senioren Computer Clubs Mitte (SCC), der seit Jahren im Begegnungszentrum Kreativhaus auf der Fischerinsel residiert, eine neue Plattform, die analoge und digitale Kommunikationsmöglichkeiten verbinden soll. Herzstück ist ein digitaler Briefkasten, der auch handschriftliche Briefe einlesen und auf ein Nachbarschafts-Infoportal übertragen soll.

"Letztlich geht es natürlich darum, die Leute im wirklichen Leben, Face to Face, zusammenzubringen. Aber dabei kann eine einfache, niederschwellige digitale Plattform helfen", berichtet Jennifer Schubert vom UdK Design Research Lab. Nicht nur zum Austausch darüber, wer wem vielleicht eine Zange ausleihen kann, sondern auch zum besseren Informationsfluss für gemeinsame Belange.

Prototyp einer Hybrid Letter Box

"Auch politisches nachbarschaftliches Engagement soll so möglich werden", hoffen die Doktoranden. Für diejenigen Anwohner, die nicht ständig online sind, sollen die wichtigen Informationen dann wieder analog bereitgestellt werden – auf Schwarzen Brettern beispielsweise. Für dieses Konzept bekamen die Initiatoren kürzlich den Nachbarschaftspreis der Stadt Lübeck.

"Am Tag der Offenen Tür am 18. Juli wollen wir das Projekt und den Prototyp des Briefkastens einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen", erzählt Günter Voß vom SCC. Als erste gemeinschaftliche Aktion, die derart kommuniziert wird, haben die Senioren sich die Parkbänke auf der Fischerinsel vorgenommen: Sie bieten zu wenig Rastmöglichkeiten auf dem Rückweg vom Supermarkt und sollen deshalb anders angeordnet und renoviert werden. "Das ist ein erster Schritt", sagt Voß und hofft auf mehr.

Die Doktoranden gehen unterdessen schon einen Schritt weiter: Sie stellten das Konzept bereits in anderen Städten vor – unter anderem in Jerusalem. An diesem Montag wollen die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), und Gesche Joost, im Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zuständig für Vernetzte Gesellschaft und Netzpolitik, das Projekt besuchen. (mit Materialien der dpa) / (boi)