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Berliner Außenministerium wechselt zu Apple

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Apple steht vor einem prestigeträchtigen Marketingerfolg: Als erstes Ministerium der Bundesrepublik Deutschland will das Auswärtige Amt auf breiter Front Notebooks und Desktops durch iPad-Tablets ersetzen. Die Migration auf Apple scheint eine beschlossene Sache zu sein, obwohl offiziell noch keine Bestätigung zu bekommen ist. Mitarbeiter, die namentlich nicht genannt werden möchten, bestätigen allerdings die Pläne.

Demnach scheint die Entscheidung des Außenamts (AA) vom September letzten Jahres, bei den Clients von Linux zu Windows zurückzukehren, Auslöser der überraschenden Neuorientierung gewesen zu sein. Zum Jahreswechsel 2010/2011 hatte Dr. Michael Groß, als Referatsleiter IT sozusagen der CIO des Auswärtigen Amts, in einem Mitarbeiterrundbrief die Re-Migration unter anderem mit "massiver Kritik der Nutzer" begründet. Viele hätten darum gebeten, man möge "wieder auf das vertraute Windows-XP-Betriebssystem umstellen". "Der Nutzer im Mittelpunkt“, verkündete Groß in dem Schreiben gleich zweimal.

Das hat den Angesprochenen offenbar mehr Selbstbewusstsein gegeben als erwartet. Anscheinend ist der Impuls in Richtung Apple wohl von den Mitarbeitern in den Auslandsvertretungen gekommen. So erklärte ein AA-Angestellter gegenüber heise open, das Botschaftspersonal habe sich privat immer frühzeitig in den Duty-Free-Shops der Flughäfen zunächst iPods, dann iPhones und schließlich iPads gekauft. Nun seien dies die ihnen "vertrauten Systeme". Unklar ist, welchen Druck der mächtige Personalrat ausgeübt hat, Groß mit Verweis auf seine eigenen Slogans zu der jetzigen weiteren Wendung zu bewegen.

Die Erklärung bestätigte ein Informant aus der IT-Abteilung des AA. Der wusste außerdem zu berichten, IT-Chef Groß habe erklärt, er gehe davon aus, dass auch diese Migration auf Apple kostenneutral, also ohne Mehrkosten vonstatten gehe. Denn die schon laufende Umstellung auf Windows XP würde weitgehend abgebrochen, die für 2012 geplante nächste Migration auf Windows 7, mit Ausnahme weniger Arbeitsplätze, gar nicht erst begonnen.

Die dadurch entfallenden Kosten für Microsoft-Lizenzen entsprächen laut Groß in etwa den Anschaffungskosten der iPads – und zwar mitsamt der Software. Denn die Apps seien bekanntermaßen erheblich preiswerter als Programme von Microsoft. Bei App-Preisen von maximal rund 5 Euro gebe es auch keine Argumente mehr für Open Source. Die von den Kritikern des Umstiegs auf Microsoft vorhergesagte Explosion der IT-Kosten wolle sein Chef so vermeiden. Die IT-Abteilung sei im Übrigen bereits zu einem guten Teil damit beschäftigt, Botschafts-Apps zu programmieren.

Die Gewöhnung an Apps scheint auch der Grund zu sein, warum das Außenamt alle Mitarbeiter, die ein Recht auf ein Diensthandy haben, mit iPhones ausstatten will. Dies ist die zweite überraschende Neuigkeit – die Mitglieder des Bundestags und Mitarbeiter der Ministerien sollen bekanntlich Nokia-Smartphones mit Windows Phone 7 bekommen. Die AA-Entscheidung für iPhones würde der angestrebten Harmonisierung der Bundes-IT widersprechen, die IT-Chef Groß ein Argument gegen Linux geliefert hatte: "Kein Ressort ist unserem Ansatz gefolgt." Aber auch hier scheinen sich die Mitarbeiter gegen ihren CIO durchgesetzt zu haben, indem sie sich auf ihn beriefen: "Der Nutzer im Mittelpunkt" heißt eben "vertraute Systeme". (odi)

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