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Berliner Charité und BVG testen autonome Kleinbusse

Von 2018 an sollen vier Roboterbusse auf zwei Geländen des Universitätsklinikums Charité in der Hauptstadt die Zukunft des elektrischen autonomen Fahrens erproben. Auf der Straße des 17. Juni wird ein weiteres Projekt vorbereitet.

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Berliner Charité und BVG testen autonome Kleinbusse

Die französische Firma Navya präsentierte ihr Gefährt "Arma", der Konkurrent Ligier einen EZ10 (r.).

(Bild: Charité/ Peitz)

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Mit Olli verkehrt seit Ende 2016 bereits ein erster autonomer Linienbus auf dem Euref-Campus in Berlin, nun sollen vier weitere dazukommen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Charité und der Senat der Hauptstadt haben am Montag das Forschungsprojekt "Stimulate" vorgestellt, mit dem die beteiligten Partner "stadtverträgliche Mobilität unter Nutzung elektrischer automatisierter Kleinbusse" erproben wollen. Von 2018 an sollen vier Roboterfahrzeuge auf zwei Geländen des Universitätsklinikums unterwegs sein. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt.

Zunächst ist ein "ausgiebiger Techniktest um den Jahreswechsel" vorgesehen, um die Strecke zu kartieren und die Sensoren sowie Lasergeräte vor Ort zu prüfen. Die ersten Fahrgäste können dann voraussichtlich im Frühjahr 2018 die fahrerlosen Minibusse im Alltagsbetrieb erleben. Die autonomen Shuttles sollen auf dem Campus der Charité in Mitte und dem Gelände des zugehörigen Virchow-Klinikums auf drei definierten Routen mit festen Haltestellen und maximal 20 km/h unterwegs sein, eines immer als Ersatzfahrzeug parat stehen.

Die zwei Standorte eignen sich nach Ansicht des Charité-Chefs Karl Max Einhäupl besonders gut für das Pilotvorhaben, da sie mit ihren 270.000 beziehungsweise 138.000 Quadratmetern über eine ausreichend große Testfläche verfügten und vom öffentlichen Straßenland abgegrenzt seien. Mit ihren Gehwegen, Kreuzungen und Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern, Radfahrern sowie Pkw, Lkw und Bussen bildeten sie den Berliner Verkehrsalltag nahezu vollständig im Kleinen ab. Darüber hinaus hätten alle Kranken- und Rettungswagen Vorfahrt, die mit Blaulicht unterwegs sind.

Bis zum vierten Quartal 2018 soll Personal an Bord sein, das Fragen beantworten und bei Problemen eingreifen kann. Danach ist für rund ein weiteres Jahr ein vollständig autonomer Betrieb vorgesehen. Das Land Berlin soll gemeinsam mit dem Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften der Charité in einer Begleitstudie die Akzeptanz und weitere praktische Aspekte der Nutzung autonom fahrender Busse untersuchen.

Welches Unternehmen die vier Roboterbusse liefern soll, ist noch nicht entschieden. Die Ausschreibung der BVG läuft noch. Am Montag präsentierte die französische Firma Navya ihr Gefährt "Arma" bei dem Ortstermin, der Konkurrent Ligier einen EZ10, ebenfalls "Made in France". Einer der beiden Typen dürfte in Berlin wohl zum Einsatz kommen. Sie kenne keine serientauglichen Elektrobusse aus Deutschland, bedauerte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. Die Herstellerallianz, die Manipulationen bei Dieselautos verabredet haben soll, sei "offenbar auch ein Kartell zur Verhinderung von Elektromobilität" gewesen, zitiert die Berliner Zeitung die Grüne.

Parallel nimmt in der Hauptstadt das vom Bundesverkehrsministerium mit über 4,6 Millionen Euro geförderte Forschungsvorhaben Diginet-PS Fahrt auf, mit dem das automatisierte und autonome Fahren unter realen Verkehrsbedingungen entwickelt und überprüft werden soll. Geplant ist dazu ein "vernetztes, urbanes Infrastruktur-Testfeld" entlang der Straße des 17. Juni, das vom Ernst-Reuter Platz bis zum Brandenburger Tor führen soll. Ein erster "Schlachtplan" stehe, erklärte Sahin Albayrak, Leiter des beteiligten DAI-Labors ("Distributed Artificial Intelligence") an der TU-Berlin, jüngst dem Tagesspiegel. Damit sei klar, wo noch im Sommer auf dem ersten Teilabschnitt bis zum Charlottenburger Tor Kameras und Funktechnik installiert werden könnten.

(anw)

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