Menü

Berliner Radler können online unsichere Strecken melden

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 342 Beiträge

Radfahren ist gesund, aber nur, wenn man nicht mit einem Auto zusammenstößt. Dies kann allerdings gerade im Stadtverkehr recht leicht passieren – vor allem beim Abbiegen. Die Berliner Radfahrer sollen täglich rund 1,5 Millionen Wege mit dem Rad zurücklegen. Um herauszufinden, welche Kreuzungen besonders gefährlich sind, hat die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt eine interaktive Berlin-Karte freigeschaltet. In diesem "Online-Dialog" können Radfahrer angeben, wo sie sich im Straßenverkehr besonders unsicher fühlen.

Das Projekt ist auf vier Wochen angelegt und wird sehr gut angenommen, "viel besser als erwartet", sagt Pressesprecherin Petra Ruhland: Schon nach zwei Tagen seien 9593 Besucher, 91.000 Seitenaufrufe, 1800 Vorschläge, 4300 Bewertungen und 795 Kommentare gezählt worden.

"Berlin beschäftigt sich schon seit längerem mit einer Radverkehrsstrategie, und Unfälle beim Abbiegen sind nun einmal am häufigsten", erläutert Ruhland. Zwar gebe es eine Unfallkommission, die Unfälle aufnimmt und statistisch auswertet. Aber dies ergebe bloß Prioritätenlisten mit den häufigsten Unfällen. Mit der Website soll etwas getan werden, bevor ein Unfall geschieht: "Die Berliner können sagen, es ist zwar kein Unfall passiert, aber es war knapp, und das war schon das dritte Mal." Diese "gefühlten" Konfliktschwerpunkte werden dann mit den "tatsächlichen" Unfallschwerpunkten verglichen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten für Hinweise: Der Nutzer kann eine "neue" Kreuzung melden, mit einem Klick auf eine Karte oder die Eingabe in eine Adressmaske, und dazu eine Beschreibung geben. Oder der Nutzer bezieht sich auf den Vorschlag eines anderen Users und kann diesen diskutieren oder bewerten. Auf der Website werden die "Top 20" angezeigt, die 20 meistbewerteten Vorschläge. Top 1 ist auch keine Kreuzung, auch kein bestimmter Ort, sondern "penetrantes Parken auf dem Radweg" – das beschäftigt die Berliner Radler am meisten; und Top 2 die Sonnenallee, in der Fahrradstreifen fehlen, dicht gefolgt von Top 3, der "Fahrradhölle" Oranienstraße.

So werden die "gefühlten Konfliktschwerpunkte" auf der Karte markiert

(Bild: radsicherheit.berlin.de )

Der Berliner Online-Dialog bildet einen wichtigen Teil eines größeren Projektes. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt arbeitet an einem Leitfaden. Dieser soll dann Politik und Planung in Deutschland, insbesondere auf kommunaler Ebene, als Hilfsmittel bereit gestellt werden. Das Projekt wird im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert und unterstützt durch Eigenmittel des Landes Berlin.

Der NRVP bildet die Grundlage für die Radverkehrspolitik in Deutschland und definiert Rahmenbedingungen dafür, den Fahrradverkehr zu stärken. Dafür sind im aktuellen "NRVP 2020" auch innovative Maßnahmen und Modellprojekte sowie die Verbesserung der Verkehrssicherheit vorgesehen. (anw)

Anzeige
Anzeige