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Berliner Senat fehlen Basisinformationen über gekaufte Softwarebestände

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Die IT-Strategie der Berliner Senatsverwaltung zum Einsatz "offener Systeme" steht auf wackeligen Beinen, da elementare Kenntnisse über die erworbenen Software-Applikationen fehlen. So existiert in der Hauptstadt keine Übersicht über die Laufzeiten bestehender Lizenzen für Computerprogramme in der Hauptverwaltung, wie der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in einer unlängst veröffentlichten Antwort (PDF-Datei) auf eine Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus zugeben musste. Eine solche Aufstellung sei auch nur mit einem unvertretbaren Aufwand zu realisieren. Gemäß einer weiteren Auskunft (PDF-Datei) Körtings verfügt der Senat mit seiner "IT-Planungsübersicht" aber zumindest über eine "zentrale Aufstellung der eingesetzten und benötigten Software". Diese müsse aber noch aktualisiert werden.

Die Bescheide des Innensenators sind Wasser auf die Mühlen der Grünen. Sie werfen dem Senat seit längerem vor, nicht einmal Basisdaten für eine Analyse zur Migration der Computerlandschaft der Hauptstadt auf aktuelle Betriebssystemvarianten parat zu haben. Die Verwaltung habe "noch nicht einmal die Voraussetzung geschaffen, aktuelle Daten für irgendeine IT-Strategie zu erheben", heißt es bei der Oppositionspartei jetzt. Es fehle an einer Steuerung des gesamten IT-Einsatzes im Land Berlin. Die Ineffizienz der IT-Verantwortlichen koste das Land Millionen Euro, die besser in eine "zielführende" Migration zu Open Source eingesetzt werden sollten.

Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hatte bereits im Dezember 2005 vom Senat einstimmig die Vorlage eines Fahrplans zur Umrüstung auf freie Software verlangt. Der Senat erklärte dieses Vorhaben aber im vergangenen Jahr für letztlich "nicht umsetzbar" und hielt den Parlamentariern den eigenen, hauptsächlich auf momentane Wirtschaftlichkeitsaspekte ausgerichteten "Open Systems"-Ansatz heterogener Rechnerwelten entgegen. Man setze auf jeden Fall auf offene Standards, wo immer das wirtschaftlich machbar sei, heißt es seitdem in der Verwaltung immer wieder.

Für eine Umrüstung der IT-Landschaft der Hauptstadt mit ihren rund 58.000 Arbeitsplatzrechner auf freie Software veranschlagte IT-Staatssekretär Ulrich Freise jüngst 100 Millionen Euro. Diese Zahl hat sich den Grünen zufolge jetzt als "nicht belastbar" herausgestellt. Es handele sich um Luftblasen, da das veröffentlichte Zahlenmaterial nicht auf konkreten Daten basiere. Unterstützen will der Senat nach eigenen Angaben die Anregung der Grünen, einen "Schnupper-PC" für die Behörden mit Open-Source-Software einzurichten. In einem Modellbezirk soll die IT-Infrastruktur ferner bis Ende 2008 so ausgebaut werden, dass alle Anwendungen "Open-Source-fähig" sind. (Stefan Krempl) / (jk)