Menü

Bertelsmann: "Wir wollen die Nummer eins werden."

vorlesen Drucken Kommentare lesen 1 Beitrag

Der Vorstandsvorsitzende des Bertelsmann-Konzerns, Thomas Middelhoff, sieht das Unternehmen trotz der Mega-Fusion zwischen AOL und Time Warner in einer guten Position: "Wir sind erheblich weiter als viele andere Konzerne. Im Geschäft mit den Medieninhalten und beim E-Commerce wollen wir weltweit die Nummer eins werden. Wenn alle Mitarbeiter den Wandel zum Internet mittragen, sind wir auch alleine stark genug, um bestehen zu können", sagte Middelhoff heute in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Von der Liaison zwischen AOL und Time Warner zeigte sich der Chef des deutschen Medien-Giganten nicht überrascht, da sich das Geschäft lange vorher abgezeichnet habe: "Die Unterhaltungsindustrie wird sich durch diesen Deal tief greifend und global verändern." Es habe auch einiges für einen Zusammenschluss von AOL und Bertelsmann gesprochen -- da aber Bertelsmann dann seine Unabhängigkeit verloren hätte, habe der Vorstand sich dagegen entschieden. Angesichts des Börsenwerts von AOL hätte die Bertelsmann-Stiftung, Eigentümerin des viertgrößten Medienhauses der Welt, an der potenziellen gemeinsamen Firma nur 30 Prozent der Anteile gehalten.

Gleichzeitig kündete Middelhoff an, in den nächsten zwei Jahren 10 bis 20 Milliarden Mark für Kooperationen und Firmenaufkäufe ausgeben zu wollen. Bertelsmann sei ständig auf der Suche nach neuen Partnern im Internet. Im Musikbereich wolle man zudem ein großes Unternehmen kaufen, um die Bertelsmann Music Group, bislang Vierter der Branche, zum Weltmarktführer zu machen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sprach Middlehoff in diesem Zusammenhang das Label EMI mit einem Marktwert von 18 Milliarden Mark an; nach anderen Berichten stünde auch Sony Music ganz oben auf der Wunschliste des Bertelsmann-Vorstands.

Gerüchten, Bertelsmann wolle seine Anteile an AOL Europe verkaufen, traten sowohl Middlehoff wie Konzernsprecher Oliver Hergesell entgegen. Bertelsmann plane ganz im Gegenteil, die Partnerschaft mit AOL in Europa und Australien auszubauen. Allerdings gehörten die Online-Dienste laut Middlehoff nicht mehr zum Kerngeschäft von Bertelsmann: "Online-Nutzer müssen erst einmal zu Kunden für unsere Produkte gemacht werden." (jk)