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Beschwerde gegen Googles Offline-Tracking

Mit "Google Attribution" will der Konzern seinen Werbekunden zeigen, wie wirksam Onlinewerbung ist. Die Bürgerrechtsorganisation EPIC sieht jedoch ein Privatsphäre-Risiko.

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Beschwerde gegen Googles Offline-Tracking

(Bild: Google)

Ärger für Google. Mit einer Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission (FTC) fordert das Electronic Privacy Information Center (EPIC) ein Verfahren gegen das extensive Tracking von Google-Nutzern zum Zwecke der Werbung. Konkret geht es in der Beschwerde um das Programm Google Attribution, das der Konzern im Mai vorgestellt hat. Um die Wirksamkeit von Online-Werbung zu erfassen wertet der Konzern dazu nach den eigenen Angaben unter anderem 70 Prozent der Kreditkartentransaktionen in den USA aus. So sollen Werbekunden überprüfen können, welche Anzeigen in Googles Anzeigen-Netzwerk besonders wirkungsvoll waren, selbst wenn sie nicht direkt zu einem Online-Kauf führten.

Der Konzern weist den Vorwurf zurück, dass Google Attribution Probleme mit der Privatsphäre der Nutzer verursache. "Bevor wir das neue Programm aufgelegt haben, haben wir in eine neue maßgeschneiderte Lösung investiert, damit die Daten unserer Nutzer privat, sicher und anonym bleiben", erklärt Google in einem Statement. Weder habe Google Zugriff auf die Klardaten aus den Kreditkartenkartentransaktionen noch teile es identifizierbare Daten mit seinen Partnern. Zudem könnten sich Nutzer leicht abmelden.

Doch den Beschwerdeführern des EPIC ist dies nicht genug. Sie stören sich zum Beispiel daran, dass Google nur begrenzten Einblick in die verwendete Technik zur Anonymisierung der Nutzerdaten gebe. Es sei lediglich klar, dass Googles eigene Algorithmen auf der Verschlüsselungstechnik CryptDB basieren. Die am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte Methode sei jedoch nicht per se sicher. So ist es Forschern bereits 2015 gelungen kritische Daten aus einer mit CryptDB geschützten Datensammlung zu extrahieren. Um sicherzustellen, dass die von Google eingesetzte Technik sicherer ist, müsse der Konzern sie für Tests offenlegen.

Weiterhin kritisieren die Beschwerdeführer, dass der Ausstieg aus dem Programm für Nutzer nicht so einfach ist wie von Google dargestellt. So werde das Tracking für neue Google-Kunden in der Voreinstellung aktiviert, die Ausstiegsoption sei jedoch tief in den Nutzereinstellungen versteckt. Auch würden die Nutzer nur unzureichend über den Gebrauch von Kreditkarten aufgeklärt.

Selbst Nutzer ohne Google-Account würden von dem Konzern registriert, wenn zum Beispiel DoubleClick-Werbung ausgespielt wird. Um dies zu verhindern, müssten Nutzer auf einer Website der Digital Advertising Alliance ein Opt-Out-Cookie setzen und dies für jeden benutzten Browser wiederholen.

Seine Kreditkartentransaktionen gänzlich vor Google geheim zu halten, erscheint noch aussichtloser. So hat Google zwar erklärt, für seine Auswertungen auf 70 Prozent der US-amerikanischen Kreditkartentransaktionen zugreifen zu können. Woher diese Daten allerdings stammen, ist immer noch unklar. EPIC vermutet, dass sich Google im unübersichtlichen Markt der US-Datenbroker Partner gesucht hat. (anw)

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