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Besuch auf Nvidias Mega-Baustelle: Konkurrenz zum Apple-Raumschiff

Nvidia baut in Santa Clara an seinem neuen Hauptquartier, schon im November sollen Mitarbeiter einziehen. heise online hat die Baustelle besucht.

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GTC 2017: Nvidias Mega-Baustelle besucht, Konkurrenz zum Apple-Raumschiff

Auf dem Weg zum neuen Nvidia-Hauptquartier

(Bild: Martin Fischer)

Nicht nur Apple arbeitete in den vergangenen Jahren an einer neuen und beeindruckenden Firmenzentrale, sondern auch der Grafikchip-Spezialist Nvidia. Dem wurden die bisherigen Räumlichkeiten in Santa Clara zu eng und so kam es, dass Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang im Jahr 2013 den Entwurf eines futuristisch erscheinenden Gebäudes in Dreiecksform präsentierte, das direkt gegenüber dem bisherigen Nvidia-Campus entstehen sollte. Nach diversen Verzögerungen begannen die Bauarbeiten am Projekt Endeavor im Jahr 2015; noch im November 2017 soll das Gebäude fertig sein und Platz für rund 2400 seiner 10.000 Mitarbeiter bieten.

heise online konnte sich zum Beginn der GPU Technology Conference bereits einen Eindruck von dem neuen Gebäude in Santa Clara verschaffen. Es ist zwar noch eine Baustelle, im Unterschied zu deutschen Großprojekten wie BER hatten wir jedoch den Eindruck, dass das Gebäude nach nur zweieinhalbjähriger Bauzeit tatsächlich noch in diesem Jahr fertig werden könnte – auch wenn der November ambitioniert erscheint. Das zweigeschossige Gebäude hat eine Büro-Fläche von rund 46.500 Quadratmetern, davon entfallen allein 3000 Quadratmeter auf das "Executive Briefing Center".

Besuch auf Nvidias Mega-Baustelle: Neues Hauptquartier im Silicon Valley (58 Bilder)

Auf gehts auf die große, staubige Nvidia-Baustelle in Santa Clara. 22 °C, kalifornische Sonne und ...
(Bild: Martin Fischer)

Das an den Grundbaustein der Computergrafik – das Dreieck – erinnernde Gebäude wurde in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Gensler aus San Francisco designed. Dabei wurde das Gebäude bewusst offen gestaltet, um Zusammenarbeit und kreative Ideen zu fördern. Während der Designphase simulierten die Architekten das Gebäude dabei mit Nvidias Raytracing-Software iRay, die photorealistische Umgebungen auf Grundlage von physikalisch realistischen Berechnungen und GPU-Beschleunigung in Echtzeit erzeugt.

So half die Software den Designern nicht nur beim Präsentieren von Entwürfen, sondern auch, um den idealen Einfall natürlichen Lichts ins Gebäude zu gestalten – und zwar so viel, dass die Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen dennoch problemlos ihre Computermonitore ablesen können. So simulierten die Designer den Lichteinfall ins Gebäude zu verschiedenen Jahreszeiten und passten die Struktur, das Material und die verwendeten Farben entsprechend an. Die dreidimensionale iRay-Umgebung lässt sich auch auf Virtual-Reality-Brillen wie Oculus Rift und HTC Vive bringen, was Nvida-Mitarbeitern die Möglichkeit gab, das Gebäude noch vor der Fertigstellung zu verstehen.

So soll das fertige Nvidia-Hauptquartier aussehen.

(Bild: Gensler (Renderbild))

Hao Ko ist der Leiter des Gensler-Studios in San Francisco und erklärte in San Jose, dass Virtual Reality nicht nur beim Gestalten des neuen Nvidia-Hauptquartiers half, sondern auch die Architekturbranche umkrempelt. Ko zufolge ist VR die größte Veränderung im Designbereich seit der Umstellung von Stiftzeichnungen auf Computer-Renderings. So beschäftigen sich zwei seiner Mitarbeiter ausschließlich mit Virtual Reality und dem Einsatz in Projekten. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass Ko eigenen Angaben zufolge über 300 Mitarbeiter beschäftigt. VR kam beim Nvidia-Bauprojekt seit rund einem Jahr zum Einsatz.

Ko zufolge kostet der neue Nvidia-Campus rund 270 Millionen US-Dollar – im Vergleich zum neuen Apple-Campus, der nur weniger Kilometer weiter entsteht, geradezu ein Schnäppchen. Die Baukosten des Apple-Raumschiffs werden auf rund 5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Doch Nvidias Director für Real Estate, John O'Brien, erklärte auf Anfrage, dass das neue Nvidia-Hauptquartier nicht mit dem neuen Apple-Campus vergleichbar ist – es sei vielmehr das komplette Gegenteil. Der Apple-Campus, eine Art riesiger Donut, sei so auch innen so abgrenzend wie möglich gestaltet; der Grund liege in der Art und Weise, wie Apple arbeitet. Nvidas Ansatz sei vom offenen, gegenseitigen Zusammenarbeiten getrieben.

Einen kleinen Seitenhieb konnte sich der Designer Hao Ko allerdings nicht verkneifen – dabei ging es um die Neugestaltung der Parkplätze. Fahrzeuge wurden in eine zweigeschossige Tiefgarage unter das Gebäude verbannt, der Eingang und die Rezeption befindet sich in der Mitte des Gebäudes. Die Tiefgarage sei an sich eine tolle Idee, allerdings seien in der Planungsphase autonome Autos noch nicht berücksichtigt worden. (mfi)

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