Besucheransturm auf Wikipedia

Im September riefen 59,9 Millionen europäische Internetnutzer die freie Online-Enzyklopädie auf, 18 Prozent mehr als im Vormonat. Um mit dem Besucheransturm Schritt zu halten, verdoppeln die Wikipedia-Betreiber nun die Serverkapazitäten in Europa.

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Von
  • Torsten Kleinz

Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia wird immer populärer: Im September riefen fast 60 Millionen europäische Nutzer die Website auf, teilen die Marktforscher von Comscore mit. Um den Besucheransturm zu bewältigen, wird das europäische Rechenzentrum der Wikimedia jetzt um 15 Server erweitert.

Die Wikipedia liegt nach den neusten Zahlen von ComScore derzeit auf Platz 6 der in Europa am meisten aufgerufenen Webseiten. Die Statistik zeigt einen steilen Anstieg: Mit den Septemberzahlen von 59,9 Millionen europäischen Nutzern kann die Wikipedia ein Wachstum von 18 Prozent gegenüber dem Vormonat verzeichnen. Einen ähnlich starken Ansturm konnte die von Google gekaufte Videobörse Youtube verbuchen, kommt mit 27,4 Millionen ermittelten Besuchern aber nicht in die europäischen Top Ten. Platz eins der Liste hält Google vor Microsoft und Yahoo.

Um mit dem Besucheransturm Schritt zu halten, verdoppeln die Wikipedia-Betreiber nun die Serverkapazitäten in Europa. Der Anschaffung gingen bürokratische Schwierigkeiten voraus. Beim Verein Wikimedia Deutschland hatten sich 60.000 Euro an Spendengeldern angehäuft, die für die Anschaffung neuer Hardware vorgesehen waren. Da der Verein in Deutschland als gemeinnützig anerkannt ist, war es aber nicht ohne weiteres möglich, das Geld der Wikimedia Foundation mit Sitz in Florida zu übermitteln.

Der Verein schafft nun für über 50.000 Euro 15 Server an, die im europäischen Rechenzentrum der Wikimedia aufgestellt werden. In dem Amsterdamer Rechenzentrum verrichten bisher schon ein Dutzend Server ihren Dienst, die hauptsächlich als Cache für die Wikipedia-Abrufe aus Europa fungieren. Die Haupt-Datenbankserver stehen weiterhin in einem Rechenzentrum in Florida. Auch dort wird derzeit die vorhandene Hardware aufgerüstet – ohne finanzielle Unterstützung aus Deutschland.

Nach monatelangen Verhandlungen mit den Finanzbehörden hatte der deutsche Verein die für beide Seiten zufriedenstellende Lösung präsentieren können. Jetzt bestätigte das Berliner Finanzamt die Gemeinnützigkeit von Wikimedia Deutschland für die nächsten fünf Jahre. "Wir freuen uns darüber sehr", sagt Schatzmeister André Darmochwal, "ist es doch auch eine Bestätigung der bisherigen Vereinsarbeit." Wikimedia Deutschland setze sich seit der Gründung des Vereins im Jahr 2004 auf vielfältige Weise dafür ein, Wissen allen Menschen frei zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört neben dem Hardwarekauf zum Beispiel die Organisation von Informationsveranstaltungen und Kongressen. Im Oktober hat der Verein zudem eine Geschäftsstelle in Frankfurt errichtet und einen Geschäftsführer eingestellt, der sich um die nachhaltige Finanzierung des Projekts kümmern soll. (Torsten Kleinz) / (jk)