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Beta von Fallout 76: Einsam durch die Endzeit

Funktioniert Bethesdas RPG-Hit Fallout auch als MMO-Spiel? Die Vorabversion von Fallout 76 lässt Zweifel aufkommen – es herrscht große Leere.

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Beta von Fallout 76: Einsam durch die Endzeit

(Bild: heise online)

Fallout 76 B.E.T.A. ist der Gegenentwurf zu Red Dead Redemption 2. Wo in Rockstars Westernepos schon nach wenigen Stunden eine pralle, lebendige Natur und zahllose Einzelschicksale warten, bringt die offene Welt von Fallout 76 vor allem eines: Einsamkeit.

Es hat mal wieder Bumms gemacht, die Erde ging nach einem Atomschlag unter. Zumindest fast. Einige Menschen haben überlebt und trampen nun durch die postapokalyptische Einöde auf der Suche nach Ressourcen, Nahrung und wertvollen Kronkorken. Dieses Mal nicht allein, sondern mit anderen Spielern – Fallout 76 ist praktisch ein kleines MMO light. Wir stapfen in der Break-it Early Test Application, kurz B.E.T.A., durch die Landschaft, errichten befestigte Camps, basteln an der Werkbank an Waffen und Rüstung und legen uns mit Mutanten an.

Das schrille Szenario aus 50er-Jahre-Nostalgie, Mad Max und High-Tech funktioniert in dieser Vorabversion noch immer. Doch der Rest, der die Reihe auszeichnete, fehlt völlig. Story, schräge Figuren, Humor – alles Fehlanzeige. In Fallout 76 rennt man stundenlang durch die Gegend, hört sich auf Dauer ermüdende Audiokassetten an und ärgert sich, weil man mal wieder hilflos in eine tödliche Mutantenfalle getappt ist.

In den ersten Stunden der B.E.T.A. stolpern wir aber nur gelegentlich auf andere Spieler. Mit ihnen können wir für Quests Allianzen schließen oder wir fordern sie zum Duell heraus. Nötig ist das nicht: Die paar Mutanten erledigen wir alleine oder patrouillieren problemlos Kontrollpunkte ab. Wer will, kann hier in Ruhe sein eigenes Süppchen kochen. Echtes MMO-Feeling will sich so nicht einstellen. NPCs, die ein bisschen Leben in das Spiel bringen würden, fehlen vollkommen. Alles wirkt einsam und trist, nur ein paar Roboter schwirren durch die Gegend.

Gelegentlich hat diese Tristesse auch ihre Vorteile. Beim Erkunden von dunklen Tunnelsystemen stellt sich ein kleiner Grusel-Effekt ein und wir schauen um jede Ecke, ob da doch ein Mutant lauert. Es ist aber zu bezweifeln, dass dieses langsame Herantasten an die Umgebung mehr als 10 Stunden Spaß macht. Ärgerlich sind die zahlreichen Framerate-Einbrüche auf der Xbox One S, wenn viel auf dem Bildschirm los ist. Zwar ist die B.E.T.A. nur eine Vorabversion, aber zwei Wochen vor dem offiziellen Release gibt das zu denken.

Am Ende bleibt Ernüchterung. Bethesda hat sich mit der B.E.T.A.-Version von Fallout 76 keinen Gefallen getan. In den ersten Stunden kann das Spiel wegen der leblosen Spielwelt, der fehlenden Interaktion mit anderen Spielern und der langweiligen Questreihen nicht überzeugen. Wo ist hier das Rollenspiel versteckt? Der PvP-Part wirkt bis jetzt wie ein halbgarer Battle-Royale-Modus und das eintönige Abklappern der Spielorte verliert schnell seinen Reiz. Da hilft es auch nichts, dass Fallout 76 angeblich viermal so groß wie der Vorgänger ist. Umso leerer ist die Landschaft, umso öder das Spielerlebnis.

Fallout 76 Beta (4 Bilder)

Wieder mit dabei: Das Kampfsystem V.A.T.S. Im Multiplayer-Spiel Fallout 76 verlangsamt es aber nicht die Zeit, sondern erleichtert nur das Zielen.
(Bild: heise online)

Man fragt sich, warum Bethesda auf die typischen und erfolgserprobten Elemente der Vorgänger verzichtet. Wollte man hier unbedingt eine erfolgreiche Marke auf ein MMO trimmen? Fallout 76 B.E.T.A. wirkt wie ein grob zusammengezimmertes Rollenspielgerüst, dem die Entwickler alle Ecken und Kanten abgeschnitten haben. Diese Vorabversion dürfte der Erwartungshaltung der Fans auf das fertige Spiel einen deutlichen Dämpfer versetzt haben. Selten war ein MMO so einsam.

Fallout 76 B.E.T.A. ist exklusiv für Vorbesteller erhältlich. Für unsere Preview haben wir ein paar Stunden auf der Xbox One gespielt. Das fertige Spiel erscheint am 14. November für Windows, PS4 und Xbox One.

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