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Betreiber sozialer Netzwerke unterzeichnen Verhaltenskodex

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Mit einer gemeinsamen Selbstverpflichtungserklärung wollen die Plattformen StudiVZ sowie SchülerVZ, Lokalisten und wer-kennt-wen.de ein Signal setzen für die Stärkung von Jugend-, Daten- und Verbraucherschutz. Der 17-seitige Verhaltenskodex (PDF-Datei), den die drei Betreiber der reichweitenstarken sozialen Netzwerke unter dem Dach der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) innerhalb der vergangenen neun Monate ausgearbeitet haben, soll Nutzer der virtuellen Gemeinschaften etwa vor unerwünschten Belästigungen ("Cyber-Bullying") abschotten und durch gezielte Informationen auch Eltern und Pädagogen gezielt auf Schutzmöglichkeiten für Minderjährige hinweisen.

Zu dem Maßnahmenpaket gehören etwa strengere Voreinstellungen der Privatsphäre bei unter 14-Jährigen. Deren Profildaten sollen grundsätzlich anfangs direkt nach dem Registrierungsprozess nur noch für Freunde freigegeben werden. Weiter verpflichten sich die Anbieter, Profile von unter 16-Jährigen vor externen Suchmaschinen abzuschotten und eine Auffindbarkeit über diese zu verhindern. Diese Einstellung darf nicht aufhebbar sein. Optional wird die Möglichkeit für alle Nutzer, ihre Homepage in sozialen Netzen für die Bots von Suchmaschinen zur Tabuzone zu erklären.

Dazu kommen deutlicher sichtbare Ignorierfunktionen für andere Mitglieder etwa zur Blockade des Sendens von Fotos, Nachrichten oder anderer Daten. Weiter soll es für die User einfacher werden, ihre Profile komplett mitsamt allen hochgeladenen Dateien zu löschen und damit auch dem Zugriff durch Suchmaschinen zu entziehen. Dazu kommen prominenter platzierte Meldefunktionen für regelwidriges Verhalten, was die Selbstregulierung innerhalb der Gemeinschaften verbessern soll. Nicht zuletzt wollen die Betreiber verbotene Profil- oder Gruppenbezeichnungen und zu sperrende Wörter zusammentragen und in entsprechende schwarze Listen eintragen.

Markus Berger de Lèon, Geschäftsführer von StudiVZ, bezeichnete den Kodex als Fortsetzung vieler bereits ergriffener Maßnahmen: "Wir freuen uns, dass diese jetzt zum Industriestandard erhoben werden". Das von ihm geführte Unternehmen beschäftige bereits 100 Mitarbeiter im Kundendienst, welche die Punkte aus der Selbstverpflichtung bereits alle umsetzen würden. Zugleich forderte er die "US-Kollegen" wie Facebook auf, dem Kodex beizutreten. Laut FSM-Geschäftsführerin Sabine Frank war vor allem MySpace bereits eng in die Verhandlungen einbezogen gewesen. Sie hoffte ebenfalls, dass sich die Plattform und andere ausländische Betreiber zeitnah anschließen.

"Jeder soll wissen, was mit seinen Daten passiert", erläuterte Stefanie Waehlert, Geschäftsführerin der Lokalisten Media GmbH, den gemeinsam verfolgten Ansatz. Auch das immer wieder für Unmut sorgende Thema der personalisierten Werbung sei mit eingefangen. Für entsprechendes "Targeting" sieht die Vereinbarung vor, dass eine datenschutzrechtliche Einwilligung der Nutzer vorliegen muss und diese über die Verwendung ihrer personenbezogenen Informationen in Kenntnis gesetzt werden sollen.

Eine Opt-in-Vorschrift für zielgruppenspezifische Werbung, wie sie etwa die Grünen im Bundestag fordern, ist nicht vorgesehen. Frank bezeichnete es als "goldenen Weg", wenn die Nutzer aufgeklärt würden und sich dann "opt-outen" könnten. Dies sei auch der internationale Ansatz. Patrick Ohler, Geschäftsführer der hinter wer-kennt-wen.de stehenden Firma Lemonline Media, versicherte zudem, dass keine nutzerspezifischen Mitglieder an Dritte weitergegeben würden und die gruppenbezogene Werbung auf hohe Akzeptanz stoße. Nur ein Prozent der Mitglieder würde sich dagegen aussprechen. Der Kodex lässt den Unterzeichnern theoretisch bis Mitte des Jahres Zeit, die Vorschriften zu implementieren und sieht eine Evaluierung durch externe Experten vor. Alle drei Betreiber versicherten aber, die Regeln schon während des Prozesses der Erarbeitung der Prinzipien berücksichtigt zu haben.

Siehe dazu auch:

  • studiVZ im heise Software-Verzeichnis

(Stefan Krempl) / (Stefan Krempl) / (jo)

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