Menü

Betriebssystem-Demo der TU Dresden führt mehrere Linux-Kernel aus

von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 212 Beiträge

Die Entwickler des Betriebssystems TUD:OS haben eine Live-CD zum Download bereitgestellt. Basis des Systems ist der Fiasco-Microkernel. Er umfasst weniger als 20.000 Zeilen Quelltext (ein aktueller Linux-Kernel bringt es auf mehrere Millionen Zeilen) und stellt im Unterschied zu einem monolithischen Kernel nur Funktionen zur Prozessverwaltung und Grundfunktionen für Synchronisation und Kommunikation bereit. Alle anderen Systemkomponenten, etwa Speicherverwaltung, Programm-Loader oder Geräteverwaltung sowie Anwendungen laufen nicht als privilegierte Kernelmodule, sondern in abgeschotteten User-Level-Speicherbereichen. Dank effizienter Task- und Kontextwechsel eignen sich moderne Mikrokernel in der Regel auch für Echtzeitanwendungen, anders als Mikrokernel der ersten Generation, dazu zählt etwa der Mach-Kernel von Mac OS X.

Bedient wird TUD:OS über die Minimalbedienoberfläche Nitpicker. Dass es dafür so gut wie keine Software gibt, wiegt nicht schwer. Als besonderes Schmankerl kann der Fiasco-Microkernel nämlich andere Betriebssystemkernel quasi wie normale Anwendungsprogramme starten, etwa eine leicht modifizierte Linux-Version namens L4Linux. Innerhalb dieser Linux-Systeme können Anwender dann wie gewohnt X-Window-Programme einsetzen. Bestehende Linux-Programme sind binärkompatibel. Da die laufenden Systeme hermetisch voneinander abgeschottet sind, besteht laut TU Dresden keine Gefahr, dass ein Befall des zum Surfen verwendeten Systems mit Schadsoftware sich auf ein anderes System auswirkt.

Treiber laufen ebenfalls als User-Prozesse, etwa aus anderen Linux-Distributionen. Das so genannte Device Driver Environment (DDE) stellt ihnen die Funktionalität des Ursprungssystems bereit. Für ein POSIX-kompatibles Dateisystem sorgt der L4 Virtual File System Layer (L4VFS). Ferner haben die Programmierer der TU Dresden auch das C++-Framework Qt in Version 3.3 portiert, sodass sich unter Nitpicker auch Qt-Programme benutzen lassen. Man muss sie lediglich neu übersetzen.

TUD:OS läuft ab einer Pentium-3-CPU mit 1 GHz Taktfrequenz, 256 MByte Hauptspeicher und einer VESA-2.0-kompatiblen Grafikkarte. Das System unterstützt PS/2- und USB-Tastaturen und -Mäuse. Im Download-Bereich gibt es auch Konfigurationsdateien für die PC-Emulatoren von VMware.

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige